Monatsarchiv: Juni 2008

Die schönsten Haltestellennamen

Seid kurzem hängt in meinem Zimmer ein hübscher Stadtplan an der Wand, den die Chemnitzer Verkehrsbetriebe (CVAG) anlässlich ihrer letzten Buslinienumbenennung (genannt: Das neue Netz) verteilt haben. Und wie das nunmal so ist, man geht jeden Tag dran vorbei und guckt beiläufig auf irgendeine Station. Bei der Gelegenheit ist mir dann mal aufgefallen, dass es eine ganze Reihe hübscher und ulkiger Haltestellennamen gibt.

Wie wäre es denn zum Beispiel mit einem Halt in der Kuckucksdelle, die direkt hinter dem Zeisigwald am Stadtrand liegt. Oder nochmal flink für ein paar Einkäufe Am schnellen Markt vorbei, bevor es weiter geht zur Bergschänke? Noch weitere Haltestellennamen deuten die Bedeutung von Bergbau und Industrie in Chemnitz an: Am Stollen heißt es da etwa am südlichen Stadtrand, einige Meter weiter kann man An der Walzenmühle umsteigen oder noch ein Stück weiter zum Rohr- und Kaltwalzwerk fahren. Nicht überall läuft es allerdings so gut wie Am Glücksberg: Wenn man in Richtung Augustusburg nach Osten die Stadt verlässt, konnt man mit dem Bus an der Haltestelle Ehemaliger Gasthof Schere vorbei. Und ob es im Lichtenwaldener Gasthof Bienenstock so zugeht, wie der Name verspricht, steht letztlich auch auf einem anderen Papier.

Auch große Dichter kommen zu ihrem Recht äh.. zu ihrer Haltestelle: Shakespeare zum Beispiel, oder Jack London. Jack London? Der Schreiber von so Goldrausch-Abenteuerromanen wie Ruf der Wildnis oder Lockruf des Goldes? Ja, in Planquadrat D3 hat er seine eigene Haltestelle – benannt nach der gleichnamigen Straße die laut Karte nach wenigen Metern in eine Goethestraße mündet.

Meine Lieblingshaltestelle liegt allerdings ganz oben auf der Karte, vom Rand des Plans nur wenige Zentimeter entfernt. Sie heißt ziemlich vielversprechend: Niederlichtenau, Erdbeersiedlung.

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Nachruf auf einen Staubsauger

Wir sind heute hier zusammen gekommen um Abschied zu nehmen von unserem lieb gewonnenen Staubsauger. TCM Nr. 05609 weilt nicht mehr unter uns. Und wir können mit Fug und Recht sagen, er ist zu früh von uns gegangen. Eben noch stand 05609 bei Tchibo im Regal, seine 1200 Watt prangten stolz auf dem Karton. Dann der erste Einsatz, wie kraftvoll er die Krümel in sich hineinsaugte. Doch sein Lebensweg sollte kein leichter sein: Im unermüdlichen Einsatz gegen den Staub der Welt ist er mehr als einmal über sich hinausgewachsen. Und so können wir ihm hier und heute auch verzeihen, wenn er zuweilen etwas aufbrausend war. Nein, ein Staubsauger der leisen Töne war 05609 sicher nicht. Wir haben seine Dienste als Helfer und Gefährte im Haushalt lange Zeit nicht richtig zu schätzen gewusst, erst jetzt wo er nicht mehr unter uns weilt, wissen wir was wir an ihm hatten: TCM 05609 war einer der sein Kabel nicht einzog wenn es mal eng wurde. Der trotz Staubsaugergebrechen im Alter immer tapfer seinen Dienst tat. Und so spreche ich an dieser Stelle wohl für alle WG-Mitglieder wenn ich sage: TCM NR. 05609, du wirst uns fehlen! Lebe wohl oder wie du wohl sagen würdest: „Wwrrhhhuuuuooommm“

Im Waschsalon

Bisher habe ich ja mangels Waschmaschine per Hand gewaschen. Doch das ist wie jeder sehen kann eine eher aufwendige Geschichte, vor allem wenn man größere Sachen wie Hosen oder Handtücher nicht nur sauber sondern auch trocken bekommen möchte. Also habe ich mal den Waschsalon in der Chemnitzer Innenstadt (Hartmannstr. 2) ausprobiert. Versprochen wird immerhin „schrankfertige Wäsche“ innerhalb von 60 Minuten dank „spezialentwickelter Maschinen“. Also ausprobiert und mich für Maschine 3 entschieden. Wie dieser Blogger aus Köln schon richtig beobachtet hat, ist der Waschsalon an sich ein Raum ohne Kommunikation. Niemand spricht mit dem Nebenmann. Der junge Türke nicht mit der Mutter im mittleren Alter. Die alten Herrschaften nicht mit dem Studenten der in seinem Buch blättert. Nur das brummende Rotieren der Maschinen ist zu hören. Von Zeit zu Zeit steht jemand auf um nach seiner Wäsche zu sehen. Auf der Webseite des Waschsalons wird damit geworben, dass schon viele „langdauernde persönliche Kontakte“ hier geknüpft wurden. Das müssen sehr stumme Beziehungen sein die da entstanden sind.

Dafür geht das Waschen wirklich schnell: 19 Minuten für 30°-Wäsche und nochmal 20 Minuten für den Trockner – das dauert zuhause länger. Ich räume meine Wäsche in den Koffer zurück und will gerade gehen, als doch noch ein winziges Stück Waschsalon-Kommunikation entsteht. Die Mutter im mittleren Alter fragt mich: „Könnense mir mal een zwei Euro Stück klein wechseln?“ – „Ja, Moment…hier bitte!“ Wunderbar!

Produkte, die’s bei uns nicht gibt: Kekstorte Kalter Hund

Der eine oder andere Stammleser wird sich vermutlich noch an die Rubrik „Produkte, die’s bei uns nicht gibt“ in meinem Erasmus-Blog erinnern. Ich möchte sie an dieser Stelle gerne fortführen, auch wenn sich das „bei uns“ in diesem Fall nur auf meine Heimatstadt Berlin bezieht und die vorgestellten Produkte aus Sachsen oder Thüringen stammen – trotzdem lässt sich immer wieder neues, überraschendes entdecken:

Gleich drei feststehende Begriffe zieren die abgebildete Packung des Wittenberger Keksproduzenten Wilkana: Das Produkt kann man sowohl unter dem Begriff „Kekstorte“, wie auch unter „Kalter Hund“ oder sogar „Kalte Schnauze“ im Gebäckregal des örtlichen Edeka finden. Letzterer Titel rührt wohl auch daher, dass man die Kekstorte vor dem Verzehr im Kühlschrank aufbewahren soll – vermutlich damit sie bei warmem Wetter nicht völlig wegschmilzt.

Reingeschaut und ausgepackt: Laut Anleitung stürzt man den „Kalten Hund“ am besten auf eine Platte und entledigt ihn dann seines braunen Plastefells. Nach zehn Minuten soll man dann mit einem Messer (vorher in warmes Wasser tunken!) filettieren und unverzüglich servieren.

So sieht er also von innen aus, unser Kakao-Köter: In der festen Schokoladen-Kokosfett-Mischung liegen wie Knochen ganze vier Lagen Hansa-Butterkekse. Wie ebenfalls zu sehen, ist so ein Kalter Hund eine ziemlich krümelige Angelegenheit. Klebrige Schokoladenfinger inklusive. Eigentlich wollte ich ihn ja gestern auf einen Ausflug mitnehmen, aber da bin ich jetzt ganz froh dass ich es nicht gemacht habe. Nun ist die Mitnahme von Haustieren in öffentlichen Verkehrsmitteln ja fast immer eine eher heikle Geschichte, mit diesem Krümelhund macht man sich aber in Bus und Bahn garantiert keine Freunde. Geschmacklich kann man ansonsten nicht meckern: Wie Schoko-Butterkekse in Riesenform, jetzt verstehe ich endlich warum sie in China auch Hunde essen.

Biereis am Stiel

Gestern abend schnell noch eine Flasche Braustolz ins Gefrierfach gelegt damit sie schneller kalt wird. Dann doch kein Bier mehr getrunken. Schwups schon ist es passiert: Die Flasche ist über Nacht eingefroren und durch den Druck von innen zerplatzt. Am Morgen gab es dann lecker Biereis. Habe mit einem kleinen Löffel gleich mal probiert und muss sagen: Ist besser als sein Ruf! Das Frozen Braustolz hat seine Spritzigkeit bewahrt, gleichzeitig kommt der herbe Geschmack gut zum Tragen.

Ich warte jetzt jede Minute auf einen Anruf von Langnese oder Schöller, die das ganze als Biereis am Stiel groß rausbringen möchten. Vielleicht auch in der süßen Variante mit den ganzen Biermischgetränken als Grundlage. Man denke da an Becks-Lemon am Stiel oder Cab-Dragonfruit-Sorbet. An heißen Sommertagen sicher ein Hit! Meine Mitbewohnerin hat das unfreiwillige Eis-Experiment übrigens kurzerhand entsorgt. An der Akzeptanz von gefrorenen Braugetränken ist in diesem Sinne noch zu arbeiten.

Mein erstes Mal… Grillkäse

Vorgestern war ich beim Powi-Grillen, der alljährlichen Barbecue-Veranstaltung der Politikwissenschaft hier in Chemnitz. Klasse Grillgut in allen Varianten: Bratwurst, Steak, Hähnchenspieße und eben auch Grillkäse! Bisher kannte ich Käse nur als Raclette, im Fondue oder eben klassisch auf Brot. Aber warum nicht auch mal eine Feta-Variante auf den Grill schmeißen? Zum Glück hatte ich fachkundige Experten an meiner Seite, die das Procedere schon kannten und die mir verraten konnten wie lange so ein Grillkäse über dem Feuer brutzeln muss damit er sein Aroma optimal entfalten kann. Also punktgenau zugeschlagen und für 1,50 Euro mit Toastbrot erworben. Der Käse hatte fast die Form einer Hand (kann man auf dem Foto evtl. sogar noch erkennen) und schmeckte richtig lecker. Feste Struktur wie beim Feta, aber schon zusammenhängend. Angenehmes Grillaroma welches gut mit dem Röstbrot harmonierte. Und, was ich nicht erwartet hätte: Er zieht keine lästigen Fäden. Mein Fazit: Grillkäse, gerne wieder!

Das geheimnisvolle Paket

In meinem Packstation-Artikel hatte ich es noch spannend gemacht – jetzt aber wird das Geheimnis um den Inhalt des geheimnisvollen Paketes endlich gelüftet. Los geht es mit einem weiteren schwarzen Karton, in welchem sich ein ebenfalls schwarzer Stoffbeutel verbirgt. Mysteriös…

Hm, mach ich es jetzt noch mal spannend…? Ach ne, ich löse es lieber jetzt gleich auf. In dem geheimnisvollen Paket befindet sich ein…

Popcube! Hä, ein was? Beim Popcube handelt es sich um ein aufgemotztes Küchenradio, welches mit seinen metallenen Reglern und der Echtholzverschalung über seine simple technische Herkunft hinwegtäuschen will. Oben kann man einen Ipod draufstecken – aber auch praktisch jeden anderen MP3-Player, denn die Verbindung erfolgt über die Kopfhörerbuchse (statt einen Ipod-Dock-Anschluß). Auf dem grün beleuchtbaren Display werden zwar Datum, Uhrzeit und Temperatur angezeigt, aber leider nicht die eingestellten Sender. Und die lassen sich mit dem großen, eher schwammigen Einstellrad auch nicht sonderlich präzise wählen. Betrieben wird der Popcube mit vier AA-Batterien, ein Netzteil liegt nicht bei. Jetzt fragt ihr euch natürlich warum ich mir so ein Teil auf die Bude hole. Ganz einfach, ich habe mir die ZEIT im Studentenabo geholt (hatte ich schon länger vor) und da gab es das Küchenradio-mit-Pseudoluxus gratis dazu. Immerhin besser als der Regenschirm oder die schmucklose Armbanduhr dachte ich mir.

Im Küchenregal sieht der Bergmann popcube dann auch wirklich ganz gut aus und um morgens Nachrichten zu hören eignet er sich natürlich auch ganz gut. Auf der schick gestylten Homepage wird kräftig Werbung für das Küchenradio aus Asien gemacht, was wohl über die eher simple Technik im Inneren hinwegtäuschen soll: http://www.popcube.de/

Nachtrag: In den Kommentaren hatte ich ja schon von dem Stromhunger des Popcube berichtet. Um diesen zu Stillen habe ich letzte Woche vier aufladbare AA-Batterien besorgt. Aber diese passen 1. nur mit viel Mühe in das enge Batteriefach des Popcube und 2. haben sie nur sage und schreibe vier Tage durchgehalten – und ich habe nicht mal sonderlich viel Radio gehört in der Zeit.