Die Kapitalisierung von Marx

Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Chemnitz ist immer noch zweifellos der Karl-Marx-Kopf an der Kreuzung Brückenstraße/Straße der Nationen. Weder das alte Rathaus noch der Rote Turm haben dem Nischel – wie die sieben Meter hohe Bronzebüste von den Einheimischen liebevoll genannt wird – bislang den Rang ablaufen können. Anfang Juni 2008 tat sich an dem eher trostlosen Skatertreff plötzlich etwas: Bauarbeiter verkleideten das Marx-Monument mit weißen Planen. Doch nicht etwa um dem alten Vordenker des Kommunismus mit Bürste und Waschschaum zu Leibe zu rücken und ihn blitzblank herauszuputzen. Nein, hinter dem Baugerüst wurde das Temporary Museum of Modern Marx (TMoMM) neu eröffnet. Im Inneren führen Metalltreppen um den Kopf herum und man kann dem Philosophen direkt in die Augen schauen. Außerdem gibt es ein Bücherregal mit dem Kapital und einen Kopfhörer mit dem Kapital-Hörbuch.

Alles in allem recht wenig für 2 Euro Eintritt. Wenn man böswillig ist könnte man sagen, dass aus dem Allgemeingut Marx-Kopf, welchen man normalerweise kostenlos anschauen kann, ganz schön Kapital geschlagen wird. Und Karl Marx selbst würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste wie er hier mit aufgeblasenen Begründungen kapitalisiert wird. Wer will, dass sich die Stadtbewohner mehr mit Werk und Wirkung auseinandersetzen sollte auch ausreichend Material dafür liefern.

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2 Antworten zu “Die Kapitalisierung von Marx

  1. Bei der Betrachtung des Eintrittsgeldes muss man sich vor Augen führen, was die Aktion an Kosten mit sich gebracht hat – wenn ich mich nicht irre, dann ist das ein hoher 5stelliger Betrag. Ich bin mir recht sicher, dass die Aktion keinen Gewinn macht – man kann also meiner Meinung nach nicht wirklich von eine Kapitalisierung reden.
    Ich bin aber auch der Meinung, dass die Kunst eine der weniger Dinge ist mit denen Chemnitz nach außen auf sich aufmerksam machen kann.. ich finde die Aktion gelungen.

  2. Der Link mit den aufgeblasenen Begründungen ist geil. Ein derartiges Geschwafel… oh mann. Der weiße Kubus würde andere Bauten bloßstellen… gehts noch? Wer glaubt denn solchen Scheiß? Ein bissi aufm Teppich bleiben sollte man auch mal.
    Ich fänd besser, den Kopf in der Nacht bunt zu beleuchten. Dann würde ihm neue Aufmerksamkeit zuteil werden und die Leute dürften auch über Marx nachdenken, ohne zwei Euro zu zahlen.
    Dafür, dass Museen kostenlos sind oder zumindest sein sollten (in Museen wird auch Allgemeingut ausgestellt), sind zwei Euro viel.

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