Monatsarchiv: Januar 2009

Mein erstes Mal… Baumarkt

Vorm Hellweg-Baumarkt in Chemnitz

Gleich vorweg: Natürlich habe ich heute nicht zum allerersten Mal einen Baumarkt betreten. Dutzende Male war ich schon in Berlin nach Dübeln und Farbeimern gucken und auch in Chemnitz habe ich mein Herrenrad (Drei Gänge, von denen von Anfang an nur zwei funktionierten, aber das ist eine andere Geschichte) günstig im Baumarkt erstanden. Immerhin war es mein erstes Mal in einem Hellweg-Baumarkt – was ja auch schon nicht schlecht ist. Auf dem Foto seht ihr in meiner Hand auch schon gleich den Grund der Baumarkt-Exkursion, meine IKEA-Leselampe hatte plötzlich ihren Geist aufgegeben, eine neue Halogen-Glühlampe musste her.

Menschenleerer Baumarkt in Chemnitz

Im Hellweg (Zschopauer Straße) dann die Überraschung: Trotz fortgeschrittenem Samstagvormittag – normalerweise Stoßzeit im Baumarkt – waren die Hallen weitgehend menschenleer. Einzig die Verkäufer langweilten sich an ihren Beratungstresen oder gingen mit Klemmbrettern geschäftig auf und ab um Schraubendreher- und Lichtschalterbestände auszuwerten. Ob es an der in diesen Tagen vielzitierten Wirtschaftskrise lag oder doch am verschneiten Wetter draußen – hier war wirklich wenig los. Eine gute Gelegenheit also rasch in die Lampenabteilung vorzustoßen und einen herumstehenden Verkäufer nach der gesuchten Glühlampe zu befragen.  „Haben Sie eine Halogenleuchte mit G4-Stiftsockel 12 Volt, 20 Watt für den Betrieb in einer 230 Volt, 50 Hertz-Lampe“, hätte ich ihn fragen können, wenn ich Ahnung gehabt hätte. Hatte ich aber nicht, weshalb ich ihm einfach die IKEA-Lampe hinhielt und nach passendem Glühstiftersatz fragte.

Keine Halogenlampen?Suchend schaute er umher, doch die Regale waren halbleer. Weder im Osram-Ständer, noch bei Paulmann oder einer mir unbekannten Marke namens Flector gab es 12 Volt und 20 Watt im passenden Format. Entschuldigend zuckte er die Schulter: „Ist leider aus, tut mir leid“

Gerade wollte ich schon (Achtung Wortspiel!) mit hängendem Lampenschirm von dannen ziehen als ich doch noch ganz unten im Regal, in dem Bereich, in welchem kluge Kaufleute üblicherweise die „Bückware“ verstauen eine Packung der Hellweg-Hausmarke BASIC entdeckte. G4, 12 V, 20 W und dann auch noch sechs Stück für nur 1,99 Euro. Ich griff natürlich sofort zu. Angesichts des geringen zu erwartenden Rabattes verzichtete ich sogar dankend auf die vom Kassierer freigiebig offerierte Hellweg-Kundenkarte.

halogenlampe-chemnitz-licht

Zuhause natürlich gleich Lampe aufgeschraubt, Stiftsockel gewechselt und siehe da: Ich habe endlich wieder ein gemütliches Licht zum Lesen. Die letzte Tuchfühlung zum Beispiel oder ein schönes Filmmagazin namens Schnitt.

Verspielte Chance – Rezension des Campusmagazins

Campus-Magazin tuchfühlung mit Vitaminen

Campus-Magazin tuchfühlung (Ausgabe 7) mit Vitaminen

Seit letzten Mittwoch gibt es die siebte Ausgabe des Chemnitzer Campusmagazins tuchfühlung käuflich zu erwerben. Nun soll es sich hier im Chemnitzblog der harten Probe unterziehen: Wie gut sind die Texte des Magazins, welches sich selbst auch schon mal eher unkritisch als „Deutschlands bestes Campus-Magazin“ feiert? Auf das Titelbild hat es diesmal ein junger Mann mit Hornbrille geschafft, der wohl einen Nachwuchswissenschaftler darstellen soll. Im Hintergrund eine blaue Fliesenwand, wir befinden uns wohl in einem Labor. In der Hand des Forschers eine Packung Vitamin B, die tadadadaaa auf das Thema dieser tuchfühlung hindeutet: Es ist das Vitamin B in der Arbeitswelt gemeint, es geht um Beziehungen und das Thema „Karriere“. Das steht dann auch ziemlich klein in einem grauen Kasten weiter unten auf dem Bild.

Nun ist die tuchfühlung ja nicht gerade für originelle Titelthemen bekannt: In der jüngeren Vergangenheit ging es Mal um „Urbanes Leben in Chemnitz“ (Ausgabe 3), um „Musik in Chemnitz“ (Ausgabe 4), dann um „Sport im Sommer“ (Ausgabe 5) oder auch einfach mal ganz allgemein um „Missstände an der Uni“ (letzte Ausgabe). Themen also die sich so auch häufiger im Chemnitzer Stadtstreicher,  oder wie im aktuellen Titel „Karriere“ auch zur Genüge in Gratis-Heften wie Unispiegel, Unicum oder Unicompact finden lassen. Von der Tuchfühlung erwarte ich als Leser eine andere Perspektive auf das Thema, einen frischeren Ansatz als bei einem Gratis-Magazin. Fassen wir den Inhalt zum Thema Karriere also kurz zusammen: Da hätten wir 2x eine Einleitung zum Thema (1x von Chefredakteurin Vivienne Kiss und 1x von Maximilian Schuler – warum doppelt?), ein Interview mit einem Soziologie-Professor plus zwei Interviews mit angeblich erfolgreichen Absolventen (alle drei ohne Foto des Interviewten!!), einen mauen Artikel über eine Verbindung von Glück und Karriere, der mit dem tollen Ergebnis aufwartet dass ein „goldener Mittelweg“ wohl das Beste sei und als Kernstück eine Umfrage unter Studenten mit dem Titel „Karrieregeile Nachwuchsyuppies?“.

Hübsche Illustration - doch im Text offenbaren sich Mängel

Hübsche Illustration - doch im Text offenbaren sich Mängel

Nun habe ich – mehr durch Zufall – auch an eben dieser Umfrage teilgenommen. Von Tippfehlern und falsch beschrifteten Feldern (so liess sich bei der Frage ob man sein Wunschfach studiere nur „nein“ ankreuzen) mal abgesehen, hat die Erhebung aus meiner Sicht schwere empirische Mängel: So waren die einzelnen Fragen im Umfrageskript nicht verknüpft – im Text werden vom Autor trotzdem Verbindungen zwischen unterschiedlichen Antworten gezogen. Eine Erfassung von Studiengang, Fachrichtung, Semesterzahl fand nicht statt, doch nur so würden die Ergebnisse Sinn machen. Ohnehin sind die erreichten Werte reichlich fragwürdig: Angeblich studiert fast die Hälfte der befragten Chemnitzer Studenten (45 Prozent) nur weil „sie sonst nicht wisse, was sie tun soll“. Mehr als die Hälfte studiere nicht ihr Lieblingsfach (57 Prozent). Trotzdem sei die Hälfte der Studenten mit ihrem Studium „superglücklich“, weitere 18 Prozent immerhin „glücklich“. Das hier etwas nicht stimmen kann, sieht ein Blinder mit dem Krückstock. Nachvollziehen lässt sich das Ergebnis leider auch nicht, weil die Daten der Umfrage im Verborgenen bleiben und nur einige Werte vom Autor zitiert werden. Klar, hier geht es nur um eine kleine Umfrage – aber dennoch sollten in einem Magazin, welches an einer technischen Universität erscheint, zumindest die Grundlagen der Empirie beachtet werden.

Auf der gegenüberliegenden Seite präsentiert die Tuchfühlung unter dem Titel „Die Anti-Karriere“ allen Ernstes Zahlen der Shell-Studie und einer „ZEIT-Onlineumfrage“ aus dem Jahr 2006 (!!) auf einer ganzen Seite. Das Fazit wird dann auch gleich noch von deren Webseite übernommen – klar was soll bei mindestens drei Jahre alten Daten auch noch Neues bei rauskommen.

Im Politikteil macht die tuchfühlung wieder einige verlorene Punkte wett: Das Thema „Privatisierung des Sprachenzentrums“ wird von Autor Benjamin Lummer kritisch und überaus lesenswert aufgearbeitet. Die schlechte Kommunikation zwischen Sprachenzentrum und Rektorat weckt Erstaunen! Den Artikel über die neue Polizeiverordnung hätte man sich ähnlich gewünscht, leider liest er sich eher trocken und der Autor neigt gegen Ende zu zahlreichen offenen Fragen, die man lieber selbst gerne beantwortet wüsste.

Generell entsteht beim Lesen des Magazins ein wenig der Eindruck, dass viel vom Redakteursschreibtisch aus recherchiert wurde – längere Reportagen sucht man vergeblich. Eine erfreuliche Ausnahme bildet der Erlebnisbericht von Coretta Storz, die sich (vermutlich auch aus eigenem Interesse für die Sache) unter die Demonstranten einer Kundgebung vor dem Theater gemischt hat. Sehr lebendig liest sich das und zeigt zudem, dass eine Recherche vor Ort immer erste Wahl sein sollte, wenn es um stadtspezifische Themen geht. Die Verbrüderung mit den Forderungen der Demonstranten am Schluß (Motto: Wenn alle Studenten jetzt eine Karte kaufen, dann bleibt das Theater toll) hätte man jedoch weglassen können, der Artikel ist auch so schon sehr gut.

Es gibt zu wenig gut sichtbare Zwischenüberschriften

Viel Textwüste: Es gibt zu wenig gut lesbare Zwischenüberschriften

Das Layout der tuchfühlung ist nach wie vor sehr schick. Nichts desto trotz würde man sich bei längeren Artikeln  mehr und besser lesbare Zwischenüberschriften wünschen, auch eine größere Schrift im Fließtext könnte zum Lesevergnügen beitragen. Bei vielen Artikeln findet man so nur schwer einen Einstieg, die Verlockung weiterzublättern ist groß.

Insgesamt verspricht die Ausgabe 07 des Campus-Magazins mehr als sie halten kann: Gerade in der Kerndisziplin eines jeden Studentenmagazins, den Texten, kann das Chemnitzer Blatt nicht punkten. Reportagen, aufwendige Recherchen – bis auf wenige lobenswerte Ausnahmen leider Fehlanzeige. Klar wird das Blatt von Studenten gemacht,  die Autoren sind keine Profis. Doch gerade deshalb könnten doch die Themen etwas frecher und die Artikel etwas mutiger sein! Aktuell orientiert sich das Blatt sehr an einem angeblich vorhandenen Massengeschmack und wirkt fast ein wenig bieder. Die Lösung zu diesem Problem findet sich im aktuellen Heft auf Seite 8. Dort heißt es: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.

Ergänzung (23. April): Auf der Tuchfühlungsseite noch nicht offiziell verlinkt, ist Ausgabe 07 im Hintergrund aber schon hochgeladen und kann hier kostenlos gelesen werden.

Bei Penny fiel der Groschen

Penny-Markt in Chemnitz Bernsdorf

Nachdem sich alle von dem umwerfend lustigen Wortspiel im Titel erholt haben (alternativ war mir noch „Wer Plus sagt muss auch Penny sagen“ eingefallen), kann es eigentlich gleich losgehen. Äh ja, womit eigentlich? Die Eröffnung eines Discounters in Chemnitz-Bernsdorf ist ja etwa so spannend wie wenn ich hier über den Haltestellenfahrplan der Tramlinie 2 philosophieren würde. Nichts desto trotz sorgte dieses Ereignis am Eröffnungstag zu einem unglaublichen Ansturm: Praktisch alle Bernsdorfer wollten gleichzeitig im neuen Penny-Markt einkaufen bzw. sich einfach nur eine Gratis-Rose oder ein Glas Penny-Sekt abholen. Am liebsten natürlich beides. Während drinnen also die Sektkorken knallten bzw. wohl eher die Drehverschlüsse knirschten, wurde draußen noch diskutiert warum der alte Plus-Markt so plötzlich verschwunden war: „Das is bestimmt wegen der Wirtschaftskrise“, mutmaßte ein älterer Herr mit karierter Stoffmütze. Aber nein! Die Wirtschaftskrise mag ja für ziemlich viele Dinge verantwortlich sein, Plus und Penny haben aber quasi freiwillig die Plätze getauscht. Die Geschichte in Kürze: Edeka kauft Plus. Kartellamt mault rum. Edeka verkauft 328 Plusse (Plural von Plus? Plussa? Plussen?) an Rewe. Penny gehört zu Rewe, der Kreis von Orange-Blau zu Rot-Gelb schließt sich. Zum Umbau des Marktes gab es auch neues Personal, welches selbst noch versucht sich im tausendteiligen Sortiment zurechtzufinden. „Gerade bei Obst und Gemüse bin ich mir noch unsicher“, gestand eine Kassiererin am Eröffnungstag freimütig. Es bestehen also gute Chancen den Verkäuferinnen eine Zucchini für eine Aubergine vorzumachen – und dabei mindestens 38 Cent zu sparen! In diesem Sinne: Frohes Shoppen, denn wer den Penny nicht ehrt ist den Plus nicht wert!