Verspielte Chance – Rezension des Campusmagazins

Campus-Magazin tuchfühlung mit Vitaminen

Campus-Magazin tuchfühlung (Ausgabe 7) mit Vitaminen

Seit letzten Mittwoch gibt es die siebte Ausgabe des Chemnitzer Campusmagazins tuchfühlung käuflich zu erwerben. Nun soll es sich hier im Chemnitzblog der harten Probe unterziehen: Wie gut sind die Texte des Magazins, welches sich selbst auch schon mal eher unkritisch als „Deutschlands bestes Campus-Magazin“ feiert? Auf das Titelbild hat es diesmal ein junger Mann mit Hornbrille geschafft, der wohl einen Nachwuchswissenschaftler darstellen soll. Im Hintergrund eine blaue Fliesenwand, wir befinden uns wohl in einem Labor. In der Hand des Forschers eine Packung Vitamin B, die tadadadaaa auf das Thema dieser tuchfühlung hindeutet: Es ist das Vitamin B in der Arbeitswelt gemeint, es geht um Beziehungen und das Thema „Karriere“. Das steht dann auch ziemlich klein in einem grauen Kasten weiter unten auf dem Bild.

Nun ist die tuchfühlung ja nicht gerade für originelle Titelthemen bekannt: In der jüngeren Vergangenheit ging es Mal um „Urbanes Leben in Chemnitz“ (Ausgabe 3), um „Musik in Chemnitz“ (Ausgabe 4), dann um „Sport im Sommer“ (Ausgabe 5) oder auch einfach mal ganz allgemein um „Missstände an der Uni“ (letzte Ausgabe). Themen also die sich so auch häufiger im Chemnitzer Stadtstreicher,  oder wie im aktuellen Titel „Karriere“ auch zur Genüge in Gratis-Heften wie Unispiegel, Unicum oder Unicompact finden lassen. Von der Tuchfühlung erwarte ich als Leser eine andere Perspektive auf das Thema, einen frischeren Ansatz als bei einem Gratis-Magazin. Fassen wir den Inhalt zum Thema Karriere also kurz zusammen: Da hätten wir 2x eine Einleitung zum Thema (1x von Chefredakteurin Vivienne Kiss und 1x von Maximilian Schuler – warum doppelt?), ein Interview mit einem Soziologie-Professor plus zwei Interviews mit angeblich erfolgreichen Absolventen (alle drei ohne Foto des Interviewten!!), einen mauen Artikel über eine Verbindung von Glück und Karriere, der mit dem tollen Ergebnis aufwartet dass ein „goldener Mittelweg“ wohl das Beste sei und als Kernstück eine Umfrage unter Studenten mit dem Titel „Karrieregeile Nachwuchsyuppies?“.

Hübsche Illustration - doch im Text offenbaren sich Mängel

Hübsche Illustration - doch im Text offenbaren sich Mängel

Nun habe ich – mehr durch Zufall – auch an eben dieser Umfrage teilgenommen. Von Tippfehlern und falsch beschrifteten Feldern (so liess sich bei der Frage ob man sein Wunschfach studiere nur „nein“ ankreuzen) mal abgesehen, hat die Erhebung aus meiner Sicht schwere empirische Mängel: So waren die einzelnen Fragen im Umfrageskript nicht verknüpft – im Text werden vom Autor trotzdem Verbindungen zwischen unterschiedlichen Antworten gezogen. Eine Erfassung von Studiengang, Fachrichtung, Semesterzahl fand nicht statt, doch nur so würden die Ergebnisse Sinn machen. Ohnehin sind die erreichten Werte reichlich fragwürdig: Angeblich studiert fast die Hälfte der befragten Chemnitzer Studenten (45 Prozent) nur weil „sie sonst nicht wisse, was sie tun soll“. Mehr als die Hälfte studiere nicht ihr Lieblingsfach (57 Prozent). Trotzdem sei die Hälfte der Studenten mit ihrem Studium „superglücklich“, weitere 18 Prozent immerhin „glücklich“. Das hier etwas nicht stimmen kann, sieht ein Blinder mit dem Krückstock. Nachvollziehen lässt sich das Ergebnis leider auch nicht, weil die Daten der Umfrage im Verborgenen bleiben und nur einige Werte vom Autor zitiert werden. Klar, hier geht es nur um eine kleine Umfrage – aber dennoch sollten in einem Magazin, welches an einer technischen Universität erscheint, zumindest die Grundlagen der Empirie beachtet werden.

Auf der gegenüberliegenden Seite präsentiert die Tuchfühlung unter dem Titel „Die Anti-Karriere“ allen Ernstes Zahlen der Shell-Studie und einer „ZEIT-Onlineumfrage“ aus dem Jahr 2006 (!!) auf einer ganzen Seite. Das Fazit wird dann auch gleich noch von deren Webseite übernommen – klar was soll bei mindestens drei Jahre alten Daten auch noch Neues bei rauskommen.

Im Politikteil macht die tuchfühlung wieder einige verlorene Punkte wett: Das Thema „Privatisierung des Sprachenzentrums“ wird von Autor Benjamin Lummer kritisch und überaus lesenswert aufgearbeitet. Die schlechte Kommunikation zwischen Sprachenzentrum und Rektorat weckt Erstaunen! Den Artikel über die neue Polizeiverordnung hätte man sich ähnlich gewünscht, leider liest er sich eher trocken und der Autor neigt gegen Ende zu zahlreichen offenen Fragen, die man lieber selbst gerne beantwortet wüsste.

Generell entsteht beim Lesen des Magazins ein wenig der Eindruck, dass viel vom Redakteursschreibtisch aus recherchiert wurde – längere Reportagen sucht man vergeblich. Eine erfreuliche Ausnahme bildet der Erlebnisbericht von Coretta Storz, die sich (vermutlich auch aus eigenem Interesse für die Sache) unter die Demonstranten einer Kundgebung vor dem Theater gemischt hat. Sehr lebendig liest sich das und zeigt zudem, dass eine Recherche vor Ort immer erste Wahl sein sollte, wenn es um stadtspezifische Themen geht. Die Verbrüderung mit den Forderungen der Demonstranten am Schluß (Motto: Wenn alle Studenten jetzt eine Karte kaufen, dann bleibt das Theater toll) hätte man jedoch weglassen können, der Artikel ist auch so schon sehr gut.

Es gibt zu wenig gut sichtbare Zwischenüberschriften

Viel Textwüste: Es gibt zu wenig gut lesbare Zwischenüberschriften

Das Layout der tuchfühlung ist nach wie vor sehr schick. Nichts desto trotz würde man sich bei längeren Artikeln  mehr und besser lesbare Zwischenüberschriften wünschen, auch eine größere Schrift im Fließtext könnte zum Lesevergnügen beitragen. Bei vielen Artikeln findet man so nur schwer einen Einstieg, die Verlockung weiterzublättern ist groß.

Insgesamt verspricht die Ausgabe 07 des Campus-Magazins mehr als sie halten kann: Gerade in der Kerndisziplin eines jeden Studentenmagazins, den Texten, kann das Chemnitzer Blatt nicht punkten. Reportagen, aufwendige Recherchen – bis auf wenige lobenswerte Ausnahmen leider Fehlanzeige. Klar wird das Blatt von Studenten gemacht,  die Autoren sind keine Profis. Doch gerade deshalb könnten doch die Themen etwas frecher und die Artikel etwas mutiger sein! Aktuell orientiert sich das Blatt sehr an einem angeblich vorhandenen Massengeschmack und wirkt fast ein wenig bieder. Die Lösung zu diesem Problem findet sich im aktuellen Heft auf Seite 8. Dort heißt es: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.

Ergänzung (23. April): Auf der Tuchfühlungsseite noch nicht offiziell verlinkt, ist Ausgabe 07 im Hintergrund aber schon hochgeladen und kann hier kostenlos gelesen werden.

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18 Antworten zu “Verspielte Chance – Rezension des Campusmagazins

  1. Scheint ja ne abzocke zu sein, schlechter jornalismus. Eben eine verspielte chance. Triviale infos und themen, schlechte daten. Wer kauft sowas? Außer Leute, die es rezensieren, mein ich 😉

  2. Naja ich mag das Magazin derzeit auch nicht. Irgendwie scheint auf eine ordentliche Recherche wenig Wert gelegt zu werden und im Gegensatz zur Selbstdarstellung fehlt es mir am Tiefgang und wohl auch dadurch an Kritik. Dennoch fangen sie gerade erst an =) Ich hoffe, da entwickelt sich noch etwas. Diese Uni braucht endlich eine kritische Öffentlichkeit. Hm und ja das Layout ist schick, dennoch deprimiert es irgendwie. Vielleicht braucht es andere Farben.

  3. Nun, die aktuelle Tuchfühlung ist sicher nicht die beste (vor allem [ausgerechnet] das Titelthema ist überhaupt nicht gelungen) und das Blatt hat allgemein noch Probleme mit der Textqualität. Eine Entwicklung – und zwar eine zum Positiven – zeichnet sich aber jetzt schon ab, die Texte haben mittlerweile so etwas wie Inhalt, man hat mittlerweile das Gefühl, die Verfasser hätten etwas zu sagen.

    Und dass du ausgerechnet die Erlebnisschilderung (DAS ist KEIN Bericht) von der Demo als Positivbeispiel für gute Recherche anführst, in der es vor allem um die kalten Füße der Autorin geht, die in der Ich-Form(!!!!!) ihre Eindrücke schildert und keine, nicht mal ein paar wenige, Hintergrundinformationen bieten kann, zeugt nicht unbedingt davon, dass du dir ein besser recherchiertes Blatt mit mehr Substanz wünschst, sondern lässt eher vermuten, dass du dich locker unterhalten lassen möchtest. Das ist natürlich dein gutes Recht. Aber dann geht deine Kritik hier in die falsche Richtung.

  4. @Julia: Zunächst einmal vielen Dank für deinen Kommentar und die damit verbundene Kritik an meiner Rezension. Den Artikel über die Demonstration habe ich als Beispiel für eine Vor-Ort-Recherche angeführt, die eigentlich Standard sein sollte (vor allem da die Stadt nicht so besonders groß, die Wege also kurz sind). Die Hintergrundinformationen gibt es aber doch, sie haben sich im zweiten Absatz versteckt und beinhalten den Grund für die Demonstration (evtl. drohende Entlassungen durch fehlende 4,2 Mio. im Etat, weil Haustarifvertrag nicht verlängert wurde und folglich normaler Tariflohn gezahlt wird).
    Bei der Verwendung des Begriffes ‚Bericht‘ missverstehen wir uns denke ich. Du verwendest ihn im Sinne der journalistischen Stilformen (z.B. nach von La Roche), ich wollte damit lediglich ausdrücken dass die Autorin von ihren Erlebnissen auf einer Demo berichtet – was natürlich eine eigene Meinung beinhaltet! ‚Erlebnisschilderung‘ trifft es aber in der Tat besser, in eine klassische Textform passt der Artikel jedenfalls nicht.
    Achja und ich habe auch nichts gegen lockere Unterhaltung einzuwenden, die Tuchfühlung ist im Moment doch ein ziemlich ernstes ja fast verbissenes Magazin. Und nein, bloß weil da ein Cartoon drin ist wird das Heft noch lange nicht lustig… 🙂

  5. Also ich muss mal anmerken, dass ich nicht meinen Traumstudiengang studiere und trotzdem glücklich damit bin. Ich kann also deinen Kritikpunkt da nicht nachvollziehen. Auch sehe ich keinen Grund, die gesamten Daten offen zu legen. Es ist ja kein Fachbuch, sondern ein Magazin.

    Was die Leitthemen angeht, gebe ich dir teilweise recht. Allerdings glaube ich nicht, dass der Stadtstreicher Themen wie „Missstände an der Uni“ aufgreifen würde bzw. auch Kritik an sich nicht so äußern würde. Dass die Tuchfühlung damit schärfer sein könnte, will ich mal nicht bezweifeln.

    An Textwüsten störe ich mich nicht, da das Magazin ja auch eine studentische Zielgruppe anspricht und keine Menschen, die sich gern an Bilderbüchern festhalten – hofft man zumindest.

    Und wie schon erwähnt, die No.7 ist inhaltlich nicht unbedingt die Beste. Um so weniger verstehe ich, dass du gerade einen der schwächeren Artikel (Theater) lobst.

    Nun ja, ich finde die Kritik etwas zu subjektiv. Ich stelle nicht in Frage, dass man an der Tuchfühlung viel kritisieren kann, aber irgendwie setzt du da an ganz anderen Punkten an, als ich es würde.

    Kleiner Vorschlag: Bring dich ein, denn das Magazin lebt ja von Leuten, die freiwillig und unentgeldlich mitarbeiten. 🙂

    So, und ich warte mal auf die nächste Ausgabe. Da die Leute der Redaktion ja recht schnell durchwechseln, ist Veränderung ja sehr wahrscheinlich. Hoffentlich zum Besseren.

  6. „Achja und ich habe auch nichts gegen lockere Unterhaltung einzuwenden, die Tuchfühlung ist im Moment doch ein ziemlich ernstes ja fast verbissenes Magazin.“

    Und das sehen wir gänzlich verschieden. Mit ist die Tuchfühlung momentan viel zu „fluffig“. Sie muss kritischer, ernster und vor allem rebellischer werden. Sonst landet sie ganz schnell dort, wo Unicum, Stadtstreicher, UniSpiegel etc. verweilen. Langweilige PR.Broschüren eben.

  7. @“Horst“: Ich glaube du willst da bewusst einen Gegensatz aufbauen, wo eigentlich keiner ist. Wenn ein Studentenmagazin „unterhaltsam“ ist, heißt dass ja nicht automatisch dass es belanglos oder wie du es ausdrückst „fluffig“ sein muss. Es ist vielmehr eine Mischung aus mehreren Attributen, die es lesenswert und interessant macht.
    Wenn du meinen Artikel richtig gelesen hättest, wüsstest du dass ich mir neben einer umfangreicheren Recherche auch frechere Themen und mutigere Artikel wünsche (siehe oben, letzter Absatz) – also genau die „rebellische“ Herangehensweise die du auch einforderst.

  8. „Den Artikel über die Demonstration habe ich als Beispiel für eine Vor-Ort-Recherche angeführt, die eigentlich Standard sein sollte (vor allem da die Stadt nicht so besonders groß, die Wege also kurz sind). Die Hintergrundinformationen gibt es aber doch, sie haben sich im zweiten Absatz versteckt und beinhalten den Grund für die Demonstration (evtl. drohende Entlassungen durch fehlende 4,2 Mio. im Etat, weil Haustarifvertrag nicht verlängert wurde und folglich normaler Tariflohn gezahlt wird).“

    Wow, das nennst du Hintergrundinformationen? Da bist du aber leicht zufrieden zu stellen, das schwimmt doch weit an der Oberfläche! Hintergrundinformationen wären gewesen: Welche Konsequenzen hätten die Entlassungen gehabt (Orchester wäre kein A-Orchester mehr gewesen, hätte viele Stücke nicht mehr spielen können, dadurch wären auch bestimmte Aufführungen im Tanz- und Musiktheater unmöglich geworden)? Wer hat die Demo organisiert (nur dieTheater-Leute oder auch die Initiative, die sich damals gründete?)? Wie wurde die Demo organisiert? Welche Ereignisse gingen der Demo voraus (Orchester spielte in der Mensa, der Sachsenalle und noch irgendwo, sammelte Unterschriften auf Karten, die verteilt wurden, darauf wurde die Situation des Orchesters grob erklärt und auf die Homepage verwiesen, wo das Orchester noch mal umfangreich Stellung nahm)? Welches Ergebnis hatte die Unterschriftensammlung?

    Vor-Ort-Recherche ist ja schön und gut, aber die Basis von gutem Journalismus ist, dass der Redakteur seine Hausaufgaben macht, sonst braucht er gar nicht erst loszugehen. Hier handelt es sich außerdem gar nicht um eine echte Vor-Ort-Recherche, denn die Autorin war zwar dort, hat aber niemanden aus dem Theater oder der Stadtverwaltung gesprochen – das wäre tausendmal spannender, authentisierender und um an Informationen zu gelangen effektiver gewesen und hätte auch „vom Schreibtisch aus“ telefonisch erledigt werden können (und sie hätte sich ihre kalten Füße, die den Rahmen des Textes bilden, sparen können). Der Verfasser sollte auch immer hinter dem Text zurücktreten, sich nicht selbst in den Vordergrund stellen, es soll nicht explizit da stehen „ich war da“ („ich“ ja in journalistischen Textsorten schon mal gar nicht), der Verfasser soll am Ereignis und den Fakten bleiben (die Grundstimmung des engagierten und aufmerksamen Demonstranten war bestimmt nicht „meine Füße sind so kalt, obwohl ich schon eine Wollstrumpfhose trage“). Ich will nicht wissen, dass ein Journalist bisweilen auch unreif und naiv um sich selbst kreisen kann, Probleme hat, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, ich will Informationen!

    Außerdem bietet sich Vor-Ort-Recherche auch nicht bei jedem Thema und jeder Textsorte an. Und Print ist auch nicht Radio, unterschiedliche Medien und Kommunikationsformen stellen unterschiedliche Ansprüche an die Themenaufbearbeitung.

    „Bei der Verwendung des Begriffes ‘Bericht’ missverstehen wir uns denke ich. Du verwendest ihn im Sinne der journalistischen Stilformen (z.B. nach von La Roche), ich wollte damit lediglich ausdrücken dass die Autorin von ihren Erlebnissen auf einer Demo berichtet – was natürlich eine eigene Meinung beinhaltet! ‘Erlebnisschilderung’ trifft es aber in der Tat besser, in eine klassische Textform passt der Artikel jedenfalls nicht.“

    Ich meinte eher ein Begriff von „Bericht“ der Text- und Pragmalinguistik: Die Autorin berichtet nicht von der Demo, insofern, dass das Sprachhandlungsmuster „berichten“ einfach fast nicht im Text vorkommt (mir fallen schon wieder ihre kalten Füße ein), das ist alles, nur nicht berichten.

    „Achja und ich habe auch nichts gegen lockere Unterhaltung einzuwenden, die Tuchfühlung ist im Moment doch ein ziemlich ernstes ja fast verbissenes Magazin. Und nein, bloß weil da ein Cartoon drin ist wird das Heft noch lange nicht lustig…“

    Du willst anscheinend ein Blatt, das lustig und dabei kritisch ist. Das wäre Satire. Dafür fehlt vielen der Tuchfühlungsschreiber aber erst recht die Schreibpraxis, ich bin froh, dass sie bisher die Finger davon gelassen haben, es gibt nichts schlimmeres als _schlechte_ Satire.

    Im Übrigen _will_ die Tuchfühlung gar nicht witzig sein. Und sie bewegt sich gerade vom „Unicum“-Niveau weg, wird mutig und kritisch, ist gar nicht mehr mit den ersten Ausgaben vergleichbar, ich hab immer das Gefühl, du übersiehst diese Entwicklung absichtlich und schmeißt alle Ausgaben in einen Topf.

  9. @Julia: Zunächst einmal freue ich mich natürlich, wie ausführlich du hier antwortest und auf meine Argumente eingehst. Die besagten Hintergrundinformationen (z.B. bezüglich des Orchesters) kannte ich in der Tat nicht – woher auch, ich habe mich mit dem Thema vorher nicht beschäftigt und lese die Tuchfühlung ja auch deswegen, damit sie mich über die Hintergründe eines derartigen Konfliktes informiert.

    Ich will hier eigentlich auch gar nicht die ganze Zeit diesen einen Artikel verteidigen, dass wäre wohl eher die Aufgabe der Autorin, die uns wohl auch sagen könnte mit wem sie wann und wo gesprochen hat. Leider bietet das Campusmagazin keine Möglichkeit an, derartige Kritik an den Artikeln abzugeben (etwa über eine Kommentarfunktion auf der Seite oder ein Forum).

    Deiner Aussage dass es im Journalismus kein ‚Ich‘ gibt, muss ich in jedem Fall ganz entschieden widersprechen. Es gibt jede Menge gut geschriebener Texte, die auf einen Ich-Erzähler aufbauen. Aktuell zum Beispiel ein vorzüglicher Text im ZEIT Campusmagazin über die Verwendung von Ritalin zur Leistungssteigerung in Studentenkreisen – kein neues Thema, aber der Autor probiert es an sich selbst aus (Ausgabe 2/2009, S. 18-22). Gerade im angelsächsischen Journalismus ist diese Form noch weiter verbreitet. Es ist aber sicher richtig, dass der Journalist nicht nur von seinen Wehwechen erzählen sollte (sofern die nicht unabdingbar wichtig für Entwicklung der Geschichte sind) sondern eine gewisse Distanz beibehält. In diesem Punkt gebe ich dir auf alle Fälle Recht.

    Satire wäre wirklich eine sehr schöne Sache, aber es ist in der Tat eine eher schwierige Form. Kann wie du schon richtig gesagt hast leicht in die Hose gehen.

    Ich bin nicht so überzeugt von der These, dass sich die Tuchfühlung gerade zu einem „mutigen und kritischen“ Magazin entwickelt. Gerade die Herangehensweise an das Thema Karriere zeigt in meinen Augen eher wie festgefahren die Lage aktuell ist. Klar, jetzt kommt wieder das Argument ‚War halt eine schwächere Ausgabe‘ – aber mal ehrlich, beim siebten Heft möchte man nicht mehr sagen ‚Die Leute brauchen halt noch etwas Zeit‘.


    (Edit: 00:24 Uhr) Ist mir gerade noch eingefallen:
    Vielleicht kannst du mal erklären woran du diese Entwicklung „weg vom Unicum“ und hin zum mutigen Magazin festmachen würdest?

  10. So, nachdem hier so breit und ausführlich über meinen Artikel diskutiert wurde, melde ich mich mal zu Wort.
    Ich hab so mitten in der Prüfungszeit keine Zeit und auch nicht unbedingt den Ehrgeiz auf alles einzugehen, was hier geschrieben wurde.
    Nur ein paar Dinge zur Erklärung.
    In der tuchfühlung bekommt man als Autor eine genau Zeilenvorschrift (mit Schriftgröße)- wenn man noch nie unter solchen strikten Grenzen geschrieben hat, fällt es zunächst schwer sich derartig zu beschränken, außerdem wird man dann auch nochmal bearbeitet und so fallen einige Dinge weg- das mit dem A-Status war zum Beispiel drin.
    Ich verstehe durchaus, dass das aus praktischen Gründen von der Redaktion getan werden muss- ich muss mich nur erstmal daran gewöhnen.
    Zu den Folgen, die die Kündigungen gehabt hätten, steht sehr wohl etwas drin, zweite Spalte ganz oben.
    Zu meiner Recherche. Die Kritik nehme ich auf jeden Fall dankend an und bin mir bewusst, dass ich das hätte vertiefen können. Hätte ich mehr Zeit gehabt,und nicht zwei Referate auf dem Schreibtisch und ein krankes Kind zu Hause.
    Aber- ich war nicht „nur“ vor Ort- ich habe im Pressearchiv wirklich alle Artikel, die in Chemnitz zu diesem Thema veröffentlicht wurden gelesen. Ich habe bei der Demo Gespräche mit Demonstranten und Orchestermitarbeitern geführt etc. Ein paar Hausaufgaben wurden also erfüllt.
    Zum Thema „ich-Verwendung“.
    Ich werde in Zukunft das ich eher vermeiden, danke für den Hinweis. Aber dennoch- warum muss man sich sosehr danach richten, was „man“ so macht oder nicht- es ist doch eine Frage der Wirkung des spezifischen Artikels, den man schreibt.Muss der immer im Vergleich zum journalistisch normativen Usus gesehen werden? Schließlich wollen wir doch ein mutiges, nicht dem main-streem-folgendes Campusmagazin sein, oder wie war das?
    Ich bin selbst der Ansicht, dass der Artikel viel Verbesserungsbedarf hat. Deswegen danke für die Kritik.
    Außerdem freue ich mich als absolute Anfängerin, dass mein Artikel soviele Diskussionen hervorgerufen hat. Denn: ist nicht Anregung zur Diskussion eines der erklärten Ziele des Journalismus? Ich hab da mal sowas gehört.
    Einen frohen Winterabend wünscht
    Coretta

  11. „Ich glaube du willst da bewusst einen Gegensatz aufbauen, wo eigentlich keiner ist. Wenn ein Studentenmagazin “unterhaltsam” ist, heißt dass ja nicht automatisch dass es belanglos oder wie du es ausdrückst “fluffig” sein muss.“

    Wenn man tiefgreifende Inhalte unterhaltsam verpacken kann, ist das natürlich der Idealfall.
    Ich baue da definitiv keinen Gegensatz auf, und schon gleich gar nicht bewusst.

    „Wenn du meinen Artikel richtig gelesen hättest, wüsstest du dass ich mir neben einer umfangreicheren Recherche auch frechere Themen und mutigere Artikel wünsche (siehe oben, letzter Absatz)“

    Mit Unterstellungen kommen wir hier nicht weiter. 😉

    „also genau die “rebellische” Herangehensweise die du auch einforderst.“

    Dann ist ja alles geklärt. 😉

    Kleiner Hinweis aber noch. Der eine Einführungstext ist das Editorial. Es sind also keine zwei Einführungstexte.

    Ach ja…noch was. Das „bestes Campusmagazin“ war meinem Empfinden nach eher ein wenig Selbstironisch. Es wurde ja auch in der Zeile drunter aufgelöst, wenn ich mich recht erinnere. Würde ich also nicht als „unkritisch“ ansehen.

    @Coretta: Vielleicht sehe ich deinen Artikel nur etwas kritischer, weil ich auf der Demo anwesend war. Da hat ja jeder so seinen Eindruck (meiner war z.B. dass weniger Leute da waren). Wobei; mich stört vor allem der „Nachtrag“, da es ja keine Tageszeitung ist, wo noch was über den Ticker reinkommt, und die Ich-Form. Nun ja, ist sicher auch etwas Geschmackssache. Insgesamt sehe ich den Artikel im Mittelfeld. 😉

  12. @Horst: Mein Eindruck war auch, dass es weniger Leute waren. Aber das lässt sich schwer schätzen, deswegen hab ich mich beim Bürgerverein erkundigt und die hatten jemand, der zählt.
    Den Nachtrag finde ich sehr wichtig, da ich den Artikeln sonst nicht korrekt finde. Ich kann nicht über einen Konflikt berichten, der mittlerweile gelöst ist, ohne die Lösung zu nennen. Da entsteht bei den Lesern der Eindruck, der Konflikt sei noch so, wie man ihn darstellt. Ohne die Lösung finde ich es einfach nicht vollständig.
    Da die Stadtratsitzung allerdings nach Redaktionsschluss war, konnte ich das nur noch in drei Zeilen Nachtrag einfügen.

  13. @Coretta: Da hast du recht, es ging mir auch mehr um die Bezeichnung als Nachtrag, das das Magazin ja in solchen großen abständen erscheint. Der Inhalt ist sehr wichtig, da hast du recht.
    Was die Zahl angeht, hatte der Sprecher auch dreitausend gesagt. Nach meinen Schätzungen waren es unter tausend. Auch wenn das im Dunkeln schwer zu schätzen ist. Bei Demos schwanken die Angaben oft um ein paar tausend. In DD bei der Hochschulgesetzdemo z.B. schwankten die Angaben zwischen 6000 (chemnitz fernsehen) und 12000 (veranstalter).

  14. noch ne kleinigkeit: die möglichkeit, direkt kritik zu üben, bietet tuchfühlung durchaus. zum einen erreichst du ressortleiter sowie chefredaktion per mail (stehen alle im impressum), zum andern gibt es auf der homepage eine kontaktfunktion. fühlt euch frei sie zu benutzen. kritische stimmen sind ebenfalls bereits auf der homepage verlinkt, leserbriefe werden gedruckt (es gab nur bisher keine!). dinge, die DU eigentlich wissen solltest…

  15. Ich denke eine Mailadresse und ein Kontaktformular laden nicht gerade zu einer aktiven von euren Lesern bestimmten Diskussion ein – eine Kommentarfunktion unter der aktuellen Ausgabe oder das angesprochene Forum wären viel offener. Vor allem da auch andere Leser eine mögliche Kritik lesen und darauf reagieren könnten. Wenn ich es richtig sehe, habt ihr bisher genau eine (!) kritische Stimme auf eurer Seite verlinkt. Wer Lust hat kann sie ja mal suchen: http://www.campus-magazin.org/presse.php

    Die umfangreiche Debatte an dieser Stelle zeigt eigentlich, dass durchaus Interesse an einer lebhaften Diskussion über die tuchfühlung besteht. Wenn ihr als Magazin diese Möglichkeit nicht aufgreift, tut es halt jemand anderes.

  16. @ergänzung:
    Also ich muss da mal dem chemnitzblog zustimmen. Mir hat es schon mehrmals sehr unter den Nägeln gebrannt, bestimmte Artikel zu kommentieren. Ich habe mir die Homepage angeschaut und für mich entschieden, dass ich dieses Kontaktformular lieber nicht nutzen möchte. Ein Forum wäre schön, denn wie man hier sieht diskutiert man gern mit mehreren Personen über einzelne Artikel. Als Leser hat man mit seiner Kritik auch nicht immer Recht, was man leichter erkennt wenn man die Meinungen anderer auch mal liest. Die Diskussion hier ist ein nettes Beispiel dafür.

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