Monatsarchiv: März 2009

Ausflug zum Wasserschloss Klaffenbach

Wasserschloss Klaffenbach (bei Chemnitz)

Nach einem mittellangen und nicht übermäßig spannenden Tag in der Bibliothek wollten wir unbedingt noch einen kleinen Ausflug machen und sind daher mit der Tram 522 von der Zentralhaltestelle nach Klaffenbach gefahren. Nominell ist Klaffenbach noch ein Stadtteil von Chemnitz, in Wirklichkeit aber schon ziemlich weit draußen auf dem Land. Hier steht das Wasserschloss Klaffenbach, ein schmuckes Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert (Besserwisser-Info: Im Stil der Renaissance erbaut!). Wasserschloss heißt es übrigens nicht wegen seiner Nähe zur Würschnitz, sondern wegen des gefluteten Burggrabens drumherum. Auf dem nächsten Bild sehr gut zu sehen:

Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz

Vom Stil her ist das Wasserschloss der Augustusburg ziemlich ähnlich, letztere liegt aber auf einem Berg und ist doch noch ein Stück größer. Auf dem Klaffenbacher Burghof gibt es allerlei Geschäfte für Kunsthandwerk. Bis vor kurzem war hier auch noch das Sächsische Fahrzeugmuseum, welches jedoch inzwischen nicht nur in die Innenstadt umgezogen ist, sondern auch konsequenterweise auf eine Internetseite verzichtet (ohnehin überbewertet dieser neumodische Kram!). Wenn man die letzte Straßenbahn verpasst, kann man im schlosseigenen Hotel übernachten.

Schlosshotel Klaffenbach Chemnitz

Im Sommer wird im Wasserschloss viel geheiratet, die Paare geben sich im Akkord das Ja-Wort und danach geht es gleich zum Tafeln in eines der Restaurants. Als wir da waren, wurde nicht geheiratet, auch sonst war praktisch überhaupt nichts los. Diverse Aushänge kündeten allerdings von kommenden Attraktionen: Klaffenbacher Tafelrunde, Ritteressen, Hexentreff, dann Fischbüffet und der Ostertanz – da muss man ganz schön aufpassen, dass man nicht durcheinander kommt und dann versehentlich in Ritterverkleidung zum Hexentreff geht…könnte böse enden! Stars und Sternchen geben sich im Wasserschloss übrigens die Klinke in die Hand. Auf einem Poster feierten Matthias Reim, Dieter Thomas Kuhn, die Puhdys und eine Abba-Playbackgrupp im totgeglaubtem WordArt-Design ein fröhliches Comeback!

Das Minibar-Angebot im Schlosshotel Klaffenbach

Gleich nebenan bewies ein Aushang des Schlosshotels, dass sich Vollverpflegung und günstige Preise nicht ausschließen müssen. Zwei Minibar-Komplettangebote warten auf die hungrigen und durstigen Gäste. Es stellt sich hier allerdings die Frage, wer seine Minibar tatsächlich komplett austrinkt (nur dann lohnt sich ja der Schnäppchenpreis von 6 bzw. 10 Euro). Mir wäre jedenfalls ziemlich schlecht, wenn ich erst zwei Bier genieße, dann eine kleine Flasche Rotwein hinterherkippe, dann noch Sekt obendrauf und abschließend einen Apfelsaft und eine Flasche Mineralwasser  – nicht zu vergessen die Schokolade und die Erdnüsse! Statt der Minibar kann man aber auch einfach ein „Haustier“  mitbringen (ich empfehle Wildschwein am Spieß). Kostet gleich viel, ist aber ungemein nahrhafter!

Trimmpfad in Klaffenbach Chemnitz

Hinter dem Wasserschloss gibt es einen Golfplatz mit 18 Löchern (wir haben nachgezählt!) und einen Trimm-Pfad. Dieser entpuppte sich bei näherem Hinsehen jedoch als Mogelpackung: Es führten zwar diverse Wege in das kleine Waldstück hinter dem Schlosspark, die für einen derartigen Trainingsparcours üblichen Übungsstationen und Anleitungen fehlten aber. Eine eifrige Joggerin störte sich nicht daran, ihr begegneten wir auf verschiedenen Pfaden und Forstwegen innerhalb von 15 Minuten insgesamt drei Mal! Die Gefahr sich in Chemnitz Klaffenbach zu verlaufen besteht also nicht, und falls doch spielen vielleicht gerade „Matze“ Reim, die Puhdys oder Abba – in diesem Fall einfach dem Gesang nach, Augen zu und durch!

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Geschäfte, die es in Chemnitz nicht gibt

Chemnitzer Innenstadt mit Panflöten-Indianern
Die Panflöten-Indianer gibt es seit Ende der 90er vermutlich nur noch in Chemnitz – manche Markenläden haben es bis heute nicht in die Stadt der Moderne geschafft

Beim letzten Stadtbummel ist mir aufgefallen, dass es doch einige Markenketten gibt, die in Chemnitz einfach keine Filiale haben. Klar, es gibt H&M, Deichmann und Esprit – andere Marken fehlen dagegen komplett. Da wäre zum Beispiel die stylische Naturkosmetik-Kette The Body Shop, wo man vor allem für Frauen ganz prima Geschenke kaufen kann.  Oder Lush, eine ähnliche Kette (ebenfalls aus Großbritannien), die mit lecker riechenden Seifen und Kosmetikprodukten schon am Duft der Läden weithin erkennbar ist. In praktisch jeder halbwegs großen Stadt gibt es eine Filiale – in Chemnitz dagegen Fehlanzeige! Oder wie wäre es mit einem White Caffè Mocha beim in die Krise geratenen Kaffeeröster Starbucks? Sogar im 162.000 Seelen-Ort Osnabrück gibt es einen Laden – in Chemnitz sucht man dagegen vergeblich. Seine Studenten-WG neu dekorieren, das geht wohl am schicksten mit Artikeln von Butlers oder Das Depot. In Städten mit vergleichbarer Größe gibt es von wenigstens einem der beiden Filialisten einen Store – in Chemnitz nicht. Bei anderen Ketten wie Pizza Hut ist die fehlende Filiale in Chemnitz dagegen leichter zu verschmerzen, günstige Pizza gibt es ja als All-you-can-eat bei Allpizza an der Zentralhaltestelle oder bei Schwedische Pizza im Terminal 3. Bei den anderen Ketten fällt es dagegen schwer einen passenden Ersatz zu finden. Ihr Sortiment ist speziell,  sicher auch nicht ganz günstig, hat aber zu Recht seine Fans. Durchaus schade also, dass es die genannten Marken noch nicht in Chemnitz gibt.

Die Tuchfühlung und ihre Umfragen

Ausgaben des Campusmagazins Tuchfühlung (Chemnitz)

In meiner Rezension der letzten Ausgabe des Chemnitzer Campusmagazins Tuchfühlung hatte ich ja bereits auf Mängel in der damaligen Umfrage zum Thema Karriere hingewiesen. Nun hat die Tuchfühlung eine neue Umfrage gestartet, die sie eifrig über die Verteilerlisten der Uni bewirbt. Es geht um das Kaufverhalten von Studenten, doch genau darüber werden die Redakteure wenig herausfinden, zumindest wenn sie die Umfrage in dieser Form tatsächlich verwenden.

Das erste Problem stellt erneut das verwendete Umfrageskript dar: Dieses wertet alle Fragefelder getrennt aus und erstellt daraus Balkendiagramme. Verknüpfungen alá „Wer Maschinenbau studiert gibt weniger Geld für Lebensmittel aus“ oder „Wer auf Biosiegel achtet kauft dennoch preisbewusst“ sind damit schon technisch überhaupt nicht möglich. Das Onlineskript prüft noch nicht einmal ob alle Felder der Umfrage ausgefüllt sind, geschweige denn ob die Antworten auch nur halbwegs plausibel sind. Dies ist ein technisches und relativ einfach zu lösendes Problem.

Das zweite und weitaus größere Problem offenbart sich, wenn man die einzelnen Fragen der Erhebung genauer unter die Lupe nimmt: „Was landet am häufigsten in deinem Einkaufswagen?“, fragt die Tuchfühlung und stellt Grundnahrungsmittel (Brot, Reis, Nudeln) / Wurst und Käse aus der Theke / Obst und Gemüse / Alkohol / Zigaretten und einigen andere Produkten des täglichen Bedarfs zur Wahl. Jetzt heißt es als befragter Student genau überlegen, denn nur eine einzige (!) Antwort ist bei dieser Frage möglich. Es mag ja sein dass es Studenten gibt, die sich nur von Zigaretten oder nur von Alkohol ernähren oder die solche Fans von Wurst und Käse sind, dass sie diese immer pur essen. Der überwiegende Teil wird aber zwangsläufig entweder besagte Grundnahrungsmittel oder den Punkt Fertiggerichte ankreuzen (z.B. Leute, die keinen eigenen Herd haben). Die Fragestellung ist in dieser Form also überhaupt nicht zielführend, sondern schlicht ziemlich sinnlos. Selbst ein Hardcore-Alki legt sich zu seinem Kornbrand noch zwei Dosen Ravioli auf das Kassenband und setzt dann frohen Mutes und vor allem wahrheitsgemäß sein Kreuz bei den Fertiggerichten.

Aus irgendeinem Grund scheint unser Studentenmagazin zudem davon auszugehen, dass die Studenten der TU Chemnitz gerne stehlen. Nur so lässt sich die leitende Frage „Was hast du schonmal im Uni-Edeka geklaut?“ interpretieren. Alkohol, Zigaretten (wie das bei den Gittern an der Kasse gehen soll, ist mir schleierhaft), aber auch Nudeln oder Wurst stehen zur Wahl. Tiefkühlkost lässt sich anscheinend nicht stehlen, wer theoretisch gerne Glühbirnen oder Zeitschriften mitgehen lässt, kann auch nichts ankreuzen.  Zudem scheint das Langfingertum sich nur auf den Campus-Edeka zu erstrecken, wer bei Penny, Netto, Aldi, Lidl oder wo auch immer seine Taschen füllt, kann ebenfalls keine wahrheitsgemäße Antwort geben. Viel merkwürdiger ist jedoch, dass anders als bei der vorherigen Frage hier Mehrfachantworten möglich sind.

Beide Beispiele belegen wie unsauber die vorliegende Umfrage erstellt wurde. Viele mögliche Antwortkonstellationen werden überhaupt nicht abgedeckt. Zudem scheint die Befragung unter großem Zeitdruck entstanden zu sein, nur so lassen sich die teilweise ziemlich hingehuschten Antwortmöglichkeiten erklären:

Frage: Was ist Einkaufen für dich?
1.
Überlebenskampf, muss leider sein
2. Erlebnis und Spaß pur
3. Ich lass lieber andere für mich einkaufen

Hm tja, ein paar gemäßigte Aussagen wären jetzt schön. Vielleicht ist es eine Mischung aus Spaß und Pflicht, vielleicht ist es aber auch von Tag zu Tag verschieden, vielleicht auch abhängig davon, ob ich vorher Fragebögen der Tuchfühlung ausgefüllt habe…ihr versteht was ich meine.

Die Umfrage zum Einkaufs-/Klauverhalten der Studenten ist nichts Halbes und nichts Ganzes: Sinnvolle Fragen nach Studiengang, Geschlecht, Einkommen werden mit unausgegorenen Fragen wie den hier vorgestellten kombiniert. Das verwendete Umfrageskript lässt keine Kombination der Ergebnisse zu. „Die meisten Studenten geben zwischen 50 und 150 Euro für Lebensmittel aus“, steht eventuell später im Artikel. Aber: Über die Gründe hierfür kann das Heft dann trotz aufwendiger Umfrage nur spekulieren. Vielleicht sparen die genannten Studenten, oder sie kaufen wenig Bioprodukte oder sie klauen einfach alles aus dem Edeka. Vielleicht sind die Studenten, die 50 bis 150 Euro für Lebensmittel ausgeben aber auch einfach komplett andere, als die welche im Bottler-Markt Wein und Wurst mitgehen lassen. Genau bei dieser spannenden Frage muss die Tuchfühlung mangels ausgereifter Umfragetechnik passen. Das ist schade, denn so bleiben die wahren Hintergründe des studentischen Einkaufsverhaltens weiter im Dunkeln.

Ergänzung (19. März): Die Tuchfühlung hat die Umfrage jetzt klammheimlich von ihrer Seite entfernt. Nach Erscheinen des Heftes  kann so natürlich leider niemand mehr feststellen, welche Fragen gestellt wurden und wie die Ergebnisse zustande gekommen sind. Gut, dass ich mir vorher ein PDF davon gespeichert habe. Hier also  die Umfrage der Tuchfühlung zum nochmal nachlesen.

Street Art in Chemnitz (Folge 1)

Street Art in Chemnitz
Ein Mensch? Ein Außerirdischer? In jedem Fall Street Art!

Street Art bedeutet wörtlich übersetzt Straßenkunst und ist damit weit gefächert: Die Panflötenindianer in der Chemnitzer Fußgängerzone wären ebenso Street Art, wie sinnlos hingeschmierte Namenstags an leerstehenden Plattenbauten. Für mich persönlich beinhaltet Street Art eine grafische und häufig figürliche Darstellung. Sticker mit seltsamen Phantasiewesen gehören ebenso dazu wie Schablonengraffiti mit verfremdeten Alltagsmotiven. Ich habe mich in Chemnitz auf die Suche gemacht und bin tatsächlich fündig geworden. Die besten Motive zeige ich ab sofort hier im Blog. Beginnen wir mal mit einem besprühten Gebäude im Viertel hinter dem Stadtpark:

Street Art in Chemnitz

Dieser Typ mit Elvis-Haartolle hat unter der Witterung schon ziemlich gelitten. Das Namenstag („DAK“) daneben weist auf das Entstehungsjahr 2006 hin. Es könnte sich – insbesondere weil es schon so lange dort hängt – natürlich auch um ein Auftragsgraffiti handeln, so wie bei diesem Motiv in Chemnitz Bernsdorf (nahe Südbahnhof):

Street Art in Chemnitz

Die Baustoffhandlung Concepta wirbt auf diesem Weg für ihren Laden und verschönert die – bei der Lage nahe der Bahnstrecke bestimmt ohnehin zugesprayte – Wand mit einem Graffito.

Ein reicher Fundus für schöne Street-Art-Motive ist das besetzte Haus in der Reitbahnstraße. Dutzende Motive lassen fast den Eindruck einer öffentlichen Galerie entstehen, bei welcher der Besucher teilweise ganz genau hinschauen muss um kleinere Grafiken entdecken zu können. Die angebrachten Kunstwerke in den Fenstern zeugen vom Durchhaltewillen der Bewohner. Zugleich haben sie auch eine ganz praktische Funktion: Sie verdecken eingeworfene Scheiben im Erdgeschoss.

Street Art in Chemnitz (Reitbahnstraße)

Direkt niedlich auch dieser kleine „Audio Addict“, nur einen ähm Steinwurf entfernt 😉

Street Art in Chemnitz (Reitbahnstraße)

Gesellschaftskritischer zeigt sich das folgende Motiv. Ein junger Mann schmust mit einem großen Kotelett, er wirkt zufrieden. Ein Seitenhieb auf unseren Umgang mit tierischen Lebensmitteln?

Street Art in Chemnitz (Reitbahnstraße)

Natürlich ist Street Art nicht ganz unumstritten. Rechtlich betrachtet sind solche Veränderungen am Straßenbild nämlich Sachbeschädigung. Die fällt in meinen Augen aber weniger ins Gewicht, wenn es sich um schöne Motive handelt, auf die der Begriff Straßenkunst sicher auch deutlich mehr zutrifft als auf eilig hingesprayte Namenstags und kommerzielle Stickerhalden an Hauswänden und Bushaltestellen.

Ein schönes Fotoblog zum Thema Street Art gibt es übrigens hier. Nicht alle Motive sind Weltklasse, manches gefällt mir auch einfach persönlich nicht – aber das ist in „richtigen“ Museen ja genauso. Falls ihr noch weitere StreetArts in Chemnitz gesehen habt oder sogar Fotos davon habt, dann einfach her damit. Schreibt in die Kommentarbox oder schickt mir eine Mail.

Ein Nachmittag im Spielemuseum

Spielemuseum Chemnitz

Letzte Woche waren wir im Chemnitzer Spielemuseum, welches eigentlich Deutsches Spielemuseum heißt, von allen Leuten aber immer nach der Stadt in welcher es steht, benannt wird. Wir sind zu Fuß vom Campus aus hingelaufen: Über den Südbahnhof zum Uniteil Raabestraße, dann durch den Stadtpark und das Wohnviertel dahinter. Auf dem Plan der Verkehrsbetriebe sah der Weg so kurz aus, aber das täuschte doch ziemlich. Das Spielemuseum liegt  etwas versteckt in der Neefestraße, kurz vor der Messe Chemnitz, und damit an der gleichen Buslinie (Nr. 23) mit der man sonst zu IKEA fährt.

Zunächst schreckt vielleicht die Namenskombination aus „Spiele“ und „Museum“ etwas ab, nichts ist schließlich langweiliger als sich Brettspiele in verschlossenen Glaskästen anzuschauen – ohne die Möglichkeit selbst die Würfel rollen zu lassen. Doch genau das ist im Deutschen Spielemuseum Chemnitz anders: In einem großen Raum stehen über 2000 (!) Brettspiele zur Wahl, welche sich komplett ausprobieren und spielen lassen. Getragen wird das Museum von einem gemeinnützigen Verein, in welchem praktisch alle wichtigen Spieleverlage Deutschlands Mitglied sind. Allein über die Eintrittspreise (Normal: 4 Euro, Kinder und Studenten: 2 Euro) liesse sich solch eine Einrichtung wohl auch kaum finanzieren.

Wir entschieden uns nach kurzem Überlegen für „Thurn und Taxis“, das Spiel des Jahres 2006. Schnell den Spielplan aufgebaut und die Anleitung vorgelesen. Das Szenario spielt im beginnenden 16. Jahrhundert, es geht darum Postkurierstrecken zwischen bedeutenden Städten in Baiern, Württemberg, aber auch der Schweiz und Polen zu bauen und damit möglichst viele Siegpunkte zu sammeln. Dazu zieht man Städtekarten, sammelt Kutschenpunkte und versucht in möglichst vielen Städten Dependancen zu eröffnen. Ein sehr kurzweiliges strategisches Brettspiel!

Brettspiele Chemnitz

Nach einer Runde (ich habe knapp vor Wiebke gewonnen) haben wir uns dann noch an zwei weiteren Spielen versucht: Einmal König & Konsorten, was sich als Mau-Mau-Variante mit etwas schrägen Sonderregeln entpuppte. Und dann noch am Spiel zur Auswanderer-Sendung „Mein neues Leben“, welches aber wie viele Umsetzungen von Serien und Filmen ziemlich dröge daherkam. Das Auswandern in ein fremdes Land war wesentlich vom Würfelglück bestimmt, es ging eigentlich nur darum möglichst viel Geld zu sammeln (welches einem durch lästige Sonderkarten ständig wieder weggenommen wurde) und einen gut bezahlten Job (Chirurg 7000 Euro) über möglichst viele Runden auf der Hand zu halten. Merke: Wenn man seinen Job verliert, ist man nicht arbeitslos – dafür braucht man nämlich die Arbeitslosenkarte (500 Euro Einkommen).

Spielemuseum Chemnitz 2

Einer der großen Vorteile des Spielemuseums ist sicher, dass man praktisch alle aktuellen Brett- und Kartenspiele unbegrenzt ausprobieren kann. Gefällt einem ein Spiel, kann man es ja später immer noch für Zuhause kaufen. Wer mehr auf digitale Unterhaltung steht, hat die Möglichkeit an verschiedenen Konsolen (Sony PS3, Nintendo Wii, Gamecube etc.) zu zocken oder zum Abschluß eines schönen Nachmittags noch eine gepflegte Runde zu Kickern.

Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr, am Wochenende von 13 bis 19 Uhr. Es empfiehlt sich gleich Mittags schon hinzugehen und so die Spielzeit voll auszunutzen.

Mensa-Deutsch für Anfänger

Speisesaal Mensa Chemnitz

Die Chemnitzer Mensa hat über die Jahre hinweg eine beeindruckende Formulierungskunst entwickelt, um ihre Hausmannskost möglichst sprachgewaltig an die Studenten zu bringen. In den Speiseplänen werden Neologismen und Euphemismen verwendet, dass jedem ordentlichen Linguisten das Herz aufgeht. Für alle Einsteiger, die sich im Irrgarten der Mensa-Sprache (noch) nicht so gut auskennen, hier ein kleiner Überblick:

1. Nudeln sind ja nicht nur sehr lecker, sondern auch anerkanntes Klischee-Grundnahrungsmittel jedes Studenten. In der Chemnitzer Mensa gibt es sie einmal in Form von Spirelli (Mensa-Deutsch für Spiralnudeln/Fusili) und als Gabelspaghetti. Bei letzteren handelt es sich um ganz normale Spaghetti, die sich eben auch mit einer Gabel essen lassen.

2. Niemand sollte den angebotenen Risotto mit dem gleichnamigen italienischen Reisgericht verwechseln, welches auf Basis von Rundkornreis und Brühe (mit Weißwein, Champignons oder Spinat) hergestellt wird. Der Mensa-„Risotto“ ist ein schnöder gekochter Langkornreis. Bratreis ist der gleiche Reis, nur in der Pfanne zubereitet. Im Ergebnis etwas trockener als der „Risotto“.

3. Hinter dem Tiroler Reisauflauf verbirgt sich hingegen ein süßer Auflauf, der ein wenig an Milchreis aus dem Ofen erinnert.

4. Partyfrikadellen sind der heiter klingende Bestandteil, der jedes Semester zwei bis dreimal auf dem Speiseplan auftauchenden Grillplatte. Es handelt sich um zwei kleine frittierte Fleischbällchen, die sich ihren Platz mit einer Grillwurst und einem Ministeak teilen.

5. Salat der Saison lautet der schöne Beilagen-Titel auf dem Speiseplan. Merkwürdigerweise hat Weißkrautsalat praktisch immer Saison. Er ist unvermuteterweise auch ziemlich international: Mal gibt es ihn als  Griechischen Weißkrautsalat, dann als Balkansalat oder auch als Beigabe im Salatmix. Gelegentlichwird er ergänzt um einzelne Blätter vom Eisbergsalat oder kleine Tomatenstückchen.

Weitere schöne Formulierungen aus der Mensa-Sprache finden sich jede Woche aktualisiert an dieser Stelle. Ich wünsche viel Vergnügen und guten Appetit!