Einmal Lobhudelei bitte!

Man stelle sich das folgende Telefonat zwischen einem Studenten und dem Chemnitzblog (so es telefonieren könnte) vor:

Student: „Hallo, ich bin auf der Suche nach interessanten, glaubwürdigen und qualitativ hochwertigen Blogs auf dich gestoßen“
Chemnitzblog: „Oh, das ist aber schön. Worum geht es denn?“
Student: „Ich wollte fragen ob du nicht einen lobhudlerischen Beitrag über unsere PR-Kampagne für Studieren in Ostdeutschland bringen kannst. Weil so eine lobgehudelte Kampagne, habe ich im Medienstudium gelernt, läuft ja gleich nochmal doppelt so gut.“
Chemnitzblog: „Tut mir leid kein Interesse. Für Lobhudeleien sind in Chemnitz andere Blogs zuständig…“

Bei dem Telefonat handelt es sich in Wirklichkeit um die relativ schlampig formulierte Standard-Mail eines jungen Mannes, der sich zunächst ganz betont als Student ausgibt (Gemeinsamkeiten schaffen!). Er wolle die besagte Medienkampagne zum Studium in Ostdeutschland im Rahmen seiner Diplomarbeit verfolgen. Das liest sich dann in etwa so:

Also habe ich mich dazu entschlossen um diese Kampagne herum eine kleine zusätzliche Seeding-Kampagne aufzubauen. D.h., ich habe verschiedene Profile bei unterschiedlichen Web2.0-Diensten (bspw. Twitter @fernost) eingerichtet und mir zum Ziel gesetzt, zu untersuchen, inwieweit sich diese Profile auf den Kampagnenkern auswirken und wie sich diese miteinander verknüpfen lassen.

Ganz prima also. Ich möchte lieber gar nicht wissen was dabei herauskommt, wenn man sich bei allen möglichen Linkschleudern anmeldet, dann nichtssagende Beiträge schreibt, die alle nur als Werbung für die Kampagne dienen und diese dann noch unter dem Vorwand einer wissenschaftlichen Arbeit untersuchen möchte.

Nun gut, richtig blöd ist dann nur wenn man in seinen Standard-Mails vergisst, die automatische Signatur seines Mailprogrammes abzuschalten und darin eine allseits bekannte Werbeagentur drinsteht. Wenn dann hinter dem eigenen Namen noch die Schwammbezeichnung „Projektmanagement“ steht, die von Kaffee kochen bis Werbe-Mails verschicken so ziemlich alles beinhalten kann – dann hat man nicht nur nen Schaden, sondern auch den Spott.

PS: Und das obwohl die besagte Kampagne gar nicht mal soo schlecht ist, wie man jetzt vielleicht erwarten würde.  Etwas trashig vielleicht, immerhin geht es um das Thema Studium und nicht um den Verkauf von Tamagotchis oder Feng-Shui-Winkekatzen. Wobei mir ziemlich unklar ist, warum man für das Studium im Osten noch Werbung machen sollte, in Chemnitz sind doch schon jetzt mehr als genug Studenten.

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6 Antworten zu “Einmal Lobhudelei bitte!

  1. Trashig? Irreführend nenne ich sowas. Und dann gucken mich auch noch zwei Asiaten an auf der Seite, da bin ich ja nochmal verwirrt.

    Und getarnte Werbung finde ich eh mies. Bei mir im Blog sind in letzter Zeit diverse Kommentare aufgeschlagen, die nur ein Ziel hatten: Backlinks.

    Liebe Grüße,

    Tino Emanuel.

    PS: Wer weiss, was unter den beiden Icons im Logo auf Japanisch steht… 😉

  2. Hehe, ich würde mal sagen, Zweck erfüllt 😉

    Nein, jetzt mal ernsthaft, die Mail ist wirklich ganz bewusst so geschrieben und entstanden, wie sie hier dargestellt wurde. Es wurde mit komplett offenen Karten gespielt und eine ehrliche Mail verfasst.

    Sowohl der Part mit der wissenschaftlichen Begleitung, als auch der private Hintergrund stimmen nachweislich. Auch dass die Signatur am Ende mit drinnen steht (ich bin übrigens bei keiner Werbeagentur!), ist kein Fehler, sondern Absicht, da in der Mail auch darauf hingewiesen wurde, dass bei Fragen oder Anmerkungen gerne Kontakt aufgenommen werden darf.

    Ich begleite diese Kampagne, da es mir aus meiner persönlichen Geschichte heraus wirklich sehr am Herzen liegt, mit Vorurteilen und falschen Vorstellungen gegenüber Ostdeutschland und seiner Hochschulen aufzuräumen. Ich habe selber viele Jahre in Thüringen studiert & gelebt und dort Studienbedingungen vorgefunden, mit denen ich vorher wirklich nicht gerechnet habe. Und dennoch werde ich auch heute noch ungläubig beäugt, wenn ich meinen Freunden & Bekannten in Baden-Württemberg davon erzähle.

    Alles in allem eine Kampagne, mit deren Zielsetzung ich mich jedenfalls identifizieren kann und die mich deswegen zur Mitwirkung angeregt hat, was ich auch ehrlich und offen kommuniziere. Und wenn auch andere Studenten an den ostdeutschen Universitäten ihre (hoffentlich) positiven Erfahrungen so offen kommunizieren würden, glaube ich, dass das Image des Ostens (der nachweislich heute noch ein sehr großes Problem für viele Westdeutsche darstellt und viele laut aktuellen Studien auch von einem Studium in ostdeutschen Bundesländern abhält –> deswegen ja die Initiative/Kampagne) nachhaltig verbessert werden kann!

    Nochmals vielen Dank für diesen Artikel, denn mir ist es letztlich lieber, jemand setzt sich kritisch mit einer Sache auseinander, als gar nicht. Ich stehe selbstverständlich auch weiterhin Fragen und Diskussionen offen gegenüber!

    Liebe Grüße,
    Jan

  3. @ Tino Emanuel Schwarze

    Wie bereits zuvor geschrieben, es wurde zu keinem Zeitpunkt versucht getarnte Werbung zu platzieren. Vielmehr wurde offen und ehrlich kommuniziert. Ihr könnt mir glauben, dass ich für andere Dinge auch nicht meinen Namen und damit auch meine Reputation & meine Glaubwürdigkeit hergeben würde!

    Zur Kritik an der Aufmachung der Kampagne selber kann ich nur sagen: abwarten und schauen, wie das alles bei der Kernzielgruppe selbst ankommt. Die Sache ist doch die: Du hast ein vorgegebenes Budget und hast die Wahl Informationen trocken rüberzubringen oder aber etwas mehr zu wagen und dieselben Informationen bunt und kreativ zu verpacken. Der Effekt am Ende ist entscheidend und wenn sich eine große Anzahl der Menschen mit der Kampagne auseinandersetzt (sei es aufgrund der übermittelten Informationen über das Studieren an ostdeutschen Hochschulen oder das Design der Kampagne) und darüber diskutiert, dann ist doch schon etwas gewonnen. Zumindest mehr, als wenn niemand sich mit der Kampagne oder der Thematik dahinter auseinandersetzt, wie es leider bei so vielen anderen (durchaus gut gemeinten) Kampagnen der Fall ist.

  4. Als ich die von Webseite studieren-in-fernost.de besucht habe und ich den Header gesehen habe, dachte ich mir erstmal: wofür brauch ich ’ne Erklärung übers Studieren in Asien? Dass es beim näheren Hingucken um Ostdeutschland handelt, ist meiner Meinung nach witzig, aber mit Beigeschmack. Ich möchte nicht mit Asiaten gleichgesetzt werden, obwohl ich im gleichen Land lebe, wie die so oft betitelten West-Deutschen (und Ost-Deutschen). Für mich gibt es nur Deutsche (und andere Nationalitäten).
    Ich halte die Kampagne für übers Ziel hinaus geschossen. Wie soll ichs sagen? Sie ist irgendwie zu schrill.

  5. @Jan: Mit Verarschung meine ich gar nicht so sehr die Mail, sondern mehr die Kampagne.

    Es hat für mich (geboren in Korl-Morx-Stodt!) einen sehr faden Beigeschmack, wenn da was von Fernost steht, zwei Asiaten zu sehen sind und japanische Zeichen und dann geht es ums Studium in Ostdeutschland. Da fühle ich mich verarscht und gehe weg. Gesundes Selbstbewusstsein sieht anders aus.

    Emanuel, in Chemnitz studiert habend.

  6. Pingback: Edition Flint » Gang&Dong? Rigga Ding Dong?

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