Street Art in Chemnitz (Folge 2)

Nach der ersten Folge meiner losen Blogreihe zum Thema Street Art in Chemnitz wurde kritisch angemerkt, dass es eine ebensolche Kultur der Straßenkunst, geschweige denn eine entsprechende Künstlerszene in der „Stadt der Moderne“ gar nicht gebe. Diese Beobachtung hat einen wahren Kern: In Großstädten wie Berlin, Hamburg, London, Paris oder New York stolpert man alle Nase lang über originelle und gesellschaftskritische Street Art-Motive. Natürlich kann Chemnitz da nicht mithalten, keine Frage. Ob die Versuche gelungen sind, darüber kann man – wie bei Kunst im übrigen immer – trefflich streiten. Die Street Art konzentriert sich in Chemnitz vor allem auf das direkte Umfeld des Campus sowie des besetzten Hauses in der Reitbahnstraße. Hier habe ich auch das erste Werk der heutigen Folge entdeckt:

Chemnitzer Street Art 6 (Reitbahnstraße)
Dieser Außerirdische hebt entweder seinen Zeigefinger oder er popelt in der nicht vorhandenen Nase. Erinnert von der Technik her ein bisschen an die Windowcolor-Bilder, die eine Zeitlang ziemlich angesagt waren. Weiter geht es unter einem Fenster des Cafés, welches ebenfalls zum alternativen Wohnprojekt gehört:

Street Art Chemnitz (Reitbahnstraße)

Mit dieser aufgeklebten Wall Art werden Erinnerungen an die gute alte Super-Mario-Land-Zeit wieder wach. Die Frage besteht, ob es sich um einen eigens vom Künstler generierten Level handelt oder um die Reproduktion eines bekannten Arcade-Jump-and-Runs. In Abschnitt 2 des Levels heißt es beim Spielen übrigens besonders aufpassen, sonst landet man im darunterliegenden Kellergitter…

Street Art Chemnitz (Vettersstraße)

Weiter geht es zur Vettersstraße auf dem Uni-Campus. Auf der Rückseite einer Reihengarage lehnt ein roter Mann an einem Baum. Schön auch, wie sich die Natur an den Schnittstellen des Graffito mit dem Garagendach in natürlicher Form fortsetzt. Das Motiv wird durch am Straßenrand wachsende Sträucher teilweise verdeckt, was die Grenzen zwischen Kunst und Realität weiter vermischen mag.

Chemnitz Street Art (Pegasus-Center)

Bei dieser grimmig dreinblickenden Nase könnte es sich um einen Politiker handeln – allerdings keinen, den ich kenne. Die blaue Mütze erweckt einen karnevalesken Eindruck – satirische Street Art? Als Materialien kamen offensichtlich alte Uni-Unterlagen und Sprühfarbe zum Einsatz. Eine originelle Installation findet sich hinter dem neuen Hörsaalgebäude der TU Chemnitz:

Chemnitz Street Art (Neues Hörsaalgebäude)

Ein türkisfarbener Putzhandschuh flattert im Wind – ein Wink der Putzfrau oder ein kritischer Hinweis auf die fehlende medizinische Fakultät an der TU? Wie wir sehen, zeigt sich Street Art sich in den verschiedensten Formen – und sie macht auch nicht vor den Stadtgrenzen von Chemnitz halt, wie das folgende Motiv beweist:

Chemnitz Forest Art (Klaffenbach)

Ein nahezu idealtypisches Beispiel von Forest Art buhlt im Klaffenbacher Forst um kunstinteressierte Betrachter! Die figürliche Darstellung – ein Pferdekopf in einem Halbkreis – wird durch das umrahmende weiße Quadrat besonders hervorgehoben. Gut so, denn sonst würde selbst mancher erfahrene Kunstkenner den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen bzw. die ‚forest street‘ vor lauter ‚art‘ nicht mehr.

Nachtrag: Einige weitere Street-Art-Grafiken (24) aus Chemnitz listet die Seite Streetfiles.org auf.

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Eine Antwort zu “Street Art in Chemnitz (Folge 2)

  1. Hey danke für den coolen Blog … hab schon ein paar Artikel geschmöckert, die ja wirklich sehr lang und informativ sind … und bzgl. Streetart ist es dann wohl ähnlich wie in Hof – man muss die Augen offen halten ;O) … Gruss ins kreative Chemnitz … Tobias

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