Monatsarchiv: Mai 2009

Ei, ei, Eimirate

"Ja ist denn schon Ostern?" - Plakat des TaC zum Spiel Eimirate (sic) vs. Deutschland

Ich wollte euch dieses schöne Poster nicht vorenthalten, was ich gestern an der Tür der Mensa der TU Chemnitz entdeckt habe. Zuerst dachte ich ja: „Ist schon wieder Ostern?“ – Denn dann hätte man die Schreibweise Eimirate ja durchaus als halbwegs gelungenes Wortspiel betrachten können. Aber Ostern liegt noch in weiter Ferne, stattdessen steht eine Länderspielsaison an, die einige orthographisch äußerst komplexe Gegner beinhaltet: Ich freue mich jedenfalls schon auf die Übertragung des Spiels gegen Aserbaidschan. Bzw. eigentlich noch mehr auf das Plakat des Treff-am-Campus-Cafés in unserer Mensa dazu. Ei, ei, Eimirate!

Advertisements

Chemnitz zieht weg

Die offizielle Seite: Chemnitz zieht an

Betont trendig gibt sich die offizielle Seite zur Standortwerbung – und präsentiert genau 41 offene Stellen (davon  exakt 0 in den Geisteswissenschaften)

Bereits seit letztem Jahr läuft in der Stadt die Kampagne „Chemnitz zieht an“. Dabei geht es nicht um eine Initiative für die gebeutelte Modebranche, sondern um die Faktoren Arbeit, Wohnen und Leben. Folgt man dem Text der Webseite, so gibt es von allen Dreien mehr als genug in Chemnitz. „Fehlen nur Sie“, verspricht die Webseite großspurig.

Passend dazu gibt es seit einigen Wochen eine neue Plakatkampagne der Stadt. In insgesamt acht Motiven werden die Vorzüge des ehemaligen Manchester des Ostens bzw. der neuen Stadt der Moderne hervorgehoben. Über die Qualität von so Wortspielen wie „Ein Heym für die Besten“ (Internationaler Stefan-Heym-Preis) oder „Täglich 3400 Chemnitzer unter der Haube“ (Arbeiten in der Automobilindustrie) lässt sich natürlich streiten. Es fällt jedoch auf, dass die Thematisierung von Chemnitz recht einseitig ist: Vier Motive heben Architektur und Kunst von Chemnitz hervor, darunter nehmen zwei Bezug auf das Bauhaus (wobei Dessau auf diesem Gebiet weitaus mehr zu bieten hat). Zwei Plakate beziehen sich auf die angeblich florierende Wirtschaft (Automobilbau und Gründergeist) und eins betont den Bezug zur Heimat (Erzgebirge). Jugendliche oder Studenten sind nicht zu sehen, die Stadt der Moderne präsentiert sich nicht als Jungbrunnen.

Die Satire: Chemnitz zieht weg

Beissender Spott auf den Plakatmotiven der Satireseite: Chemnitz beschreitet demnach gerade „neue Wege der sogenannten ‚lückenhaften‘ Architektur“

„Das kann ja nun nicht sein“, dachten sich einige junge Kreative (Vermutung!) und haben die Satireseite „Chemnitz zieht weg“ gegründet. Darauf präsentieren sie seit ein paar Tagen vier verschiedene alternative Plakatentwürfe. Heißt es auf dem Originalplakat „Möchten Sie mal ein paar ganz Bekannte treffen? Zum Beispiel Typen, die international Aufsehen erregen?“ (gemeint sind bekannte Künstler, deren Werke im Museum Gunzenhauser stehen, haha!) – so kontert das Fake-Motiv: „Möchten Sie mal ein paar junge Chemnitzer treffen? Zum Beispiel lebendige Typen, die lokal Aufsehen erregen? Dann verabreden Sie sich nicht in Chemnitz. Hier gibt es nur noch wenige Exemplare, was kein Wunder ist, wenn man die Diskussionen um Sommeruni und experimentelles Karree verfolgt. Wer hier was bewegen will, muss hart im nehmen sein – denn wer braucht schon Subkultur?“ Der Spott ist also beissend und trifft den Kern des Problems ziemlich gut: Wer mit dem Studium fertig ist, zieht meist weg aus Chemnitz. Aus so prestigeträchtigen Projekten wie dem „Brühl Boulevard“ ist rein gar nichts geworden (immer noch ist das Viertel fast so tot wie vorher), um 20 Uhr werden die Bürgersteige spürbar hochgeklappt und der aktuelle Trend zum Abriss von Altbauten trägt natürlich auch nicht gerade zu einem geschlossenen Stadtbild bei (wobei natürlich das Überangebot an Wohnungen dennoch immens ist). Laut Ankündigung bzw. aus Sicht der Bürgermeisterin wohl eher Androhung werden die Motive auch „in den kommenden Wochen in der Stadt zu sehen sein“.

Nur bei einer Sache sind sich die Macher von „Chemnitz zieht weg“ anscheinend ziemlich sicher: Die Stadt Chemnitz versteht  vermutlich keinen Spaß, wenn es um ihr lädiertes Selbstbild geht. Die Satire-Domain wurde anonym registriert, für ein paar Euro mehr kann man bei dem gleichen Anbieter auch Spamserver monatsweise anmieten. Vielleicht ist das ja auch eine Option für die offizielle Kampagne?

Ergänzung: Laut Chemnitzer Freie Presse sind die Poster schon in der Innenstadt plakatiert. Zitat: „Die Poster im A-3-Format klebten an der Galerie Roter Turm, am Plaza und an Hauswänden am Getreidemarkt.“

Plakat-Kritik: Zwei Bälle für die FDP

Kritiken zu den Plakaten der großen Parteien haben aktuell mal wieder Hochkonjunktur. Kein Wunder: In Chemnitz wird Anfang Juni der Stadtrat gewählt, am gleichen Tag ist auch noch Europawahl (beide 7. Juni) und am 27. September schließlich Bundestagswahl. Zeit also sich einige der Werbeplakate  am Straßenrand etwas genauer anzuschauen. Den Anfang macht heute die FDP, ganz einfach weil mir das Poster auf dem Weg zur Uni besonders ins Auge gesprungen ist.

FDP-Wahlplakat in Chemnitz Bernsdorf

Eine hübsche unbekannte Schönheit im karibikblauen Top lächelt mich da an. Sie ist offensichtlich überaus sportlich (Volleyball und Basketball) und zugleich multitaskingfähig (zwei Ballsportarten gleichzeitig). Leider scheint aber keiner mit ihr spielen zu wollen – außer ihr ist die Sporthalle gähnend leer. Eine weitere Interpretation drängt sich geradezu auf: Deuten die Bälle vielleicht auf eine drängende Entscheidung hin? Es erscheint ja wenig sinnvoll, Basketball und Volleyball gleichzeitig spielen zu wollen – ständig würde man gegen das Mittelnetz laufen oder mit dem falschen Ball einen Korb werfen. Diese These gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn man sich die Farben der Bälle einmal genauer anschaut. Den rot-braunen Basketball (Koalition zwischen SPD und NPD?) hält die blonde FDP-Fee absichtlich niedriger, den blau-gelben Ball (Farben der Liberalen) offeriert sie hingegen in der offenen Hand. Es kann also trotz Wahlmöglichkeit in ihrem Spiel eigentlich nur eine Option geben: Volleyball mit Miss FDP! Unter dem diagonal angeschnittenen Foto prangt der Slogan der Partei: Vereine fördern. Ein regionales und zudem relativ konkretes Ziel. Jeder würde da doch zustimmen! Die Webadresse www.fdp-2009.de deutet zunächst auf eine allgemeine deutschlandweite Kampagnenseite, gehört tatsächlich aber der FDP Chemnitz. Ganz oben stehen so spannende News wie „FDP regt erneut Abdruck des Formulars auf Widerspruch zur Datenweitergabe im Amtsblatt an“ – an der Griffigkeit ihrer Formulierungen müssen die Liberalen noch arbeiten. Wenn die FDP-Fee nämlich genauso geschwollen spricht wie der Pressesprecher, dann weiß ich schon warum niemand mit ihr spielen will.

Warum gibt es auf der Mensa-Toilette keine Papiertücher?

Leerer Handtuchspender in der Mensa Chemnitz

Es ist bei jedem Besuch der Uni-Mensa das Gleiche: Ich will mir vor dem Essen noch die Hände waschen. Also auf die Mena-Toilette. Wasserhahn an. Hände drunter. Seife drauf. Rubbeln. Wasserhahn nochmal an. Hände nochmal drunter. Abtrocknen — Abtrocknen? Ja richtig, da war doch das Problem! Auf der Mensa-Toilette gibt es keine Papierhandtücher. Die Spender sind seit wenigstens drei Jahren leer. Und zwar ständig.

Also halte ich meine Hände unter den lauwarmen Strahl des Föns. Ich warte und föhne und wende die Hände und warte noch ein bisschen. Nach zwei Minuten gebe ich entnervt auf, weil meine Hände einfach nicht trocken werden. Andere probieren es gar nicht erst, sie kennen das Dilemma. Gestern lag eine Toilettenpapierrolle als Ersatz für die Papiertücher auf der Ablage, sie war völlig durchnässt. Das ist kein Ersatz – das ist eine Zumutung!

Im Neuen Hörsaalgebäude gibt es Papiertücher auf allen Toiletten. Auch in der Bibliothek im Pegasuscenter kann ich mir anständig die Hände abtrocknen. Aber am einzigen Ort auf dem Campus, an dem richtig Geld verdient wird, soll das nicht möglich sein? Das verstehe ich nicht. Neben der Tür hängt ein Putzplan. Das Personal trägt sorgfältig ein, wann wer geputzt hat. Tag für Tag. Sehen diese Leute nicht, dass der Papierspender leer ist? Oder hat die Mensa einfach keine Papiertücher vorrätig?

Händewaschen gehört für mich zur Grundhygiene. Gerade wenn ich mich danach in einem Bereich bewege, in dem mit Essen hantiert wird. Die fehlenden Handtücher verderben mir aber die Lust daran. Es entsteht fast ein bisschen der Eindruck, dass die Mensaleitung gar nicht will, dass sich auf ihren Toiletten jemand die Hände wäscht. Warum sonst funktioniert der Handtuch-Nachschub im Hörsaalgebäude und der Bibo so einwandfrei – in der Mensa aber nicht? Dass die Mensaleitung sich aber so wenig um die Bedürfnisse ihrer zahlenden Gäste kümmert, verdirbt mir jedes Mal den Appetit.

Der Text stammt aus einem Kommentar, den ich diese Woche für Radio UNiCC produziert habe. Hier könnt ihr ihn euch auch anhören:

Viel Vergnügen!