Monatsarchiv: August 2009

Lieber ClubFX,

Fuchsbau in Chemnitz macht keine 1-Euro-Parties mehr

was muss ich da lesen! Bei euch wurde in letzter Zeit wohl ziemlich wild gefeiert. Aus eurer Sicht sogar etwas zu wild. Mit oben stehendem Banner kündigt ihr jedenfalls ein Ende der so genannten 99-Cent-Parties an. Es ist ja auch überaus unschön was betrunkene Gäste so alles anrichten: Sie reißen eure Kellerdeko ab, pinkeln in Becher, verstopfen Toiletten mit ihrer Kotze und übergeben sich sogar in Hauseingänge oder Hecken! Eklig! Und nicht zuletzt lassen diese Rüpel auch noch ihre Flaschen überall liegen! Fast könnte man ja Mitleid mit euch „Kellerkindern“ (Eigenbezeichnung ClubFX) kriegen. Denn es sind ja offensichtlich die hackestramm-pöbelnden Gäste schuld daran, dass aus euren „galaktischen Partys“ eine üble Absturznacht wird.

Ein bisschen frage ich mich aber schon, liebe FXler, ob ihr angesichts eures wunderschönen Mottos „Back to Brain“ mal auf die Idee gekommen seid, hinter eurer Theke nach der Ursache zu suchen. Denn nicht zuletzt schenkt ihr doch raue Mengen Alkohol für weniger als einen Euro aus. Die „galaktische Party“ bringt euch auch nur galaktische Einnahmen, wenn jeder Gast mehr als einen Drink zu sich nimmt. Man kann sich für weniger als 10 Euro an so einem Abend richtig blau saufen! Und wer will es den jungen Gästen (insbesondere denen mit kleinem Geldbeutel) verdenken, dass sie dieses Saufschnäppchen wahrnehmen? „Einmal trinken soviel man will“, so lautet die Verheißung der Fast-Flatrate-Party. Bei manchen Gästen mit den beschriebenen Folgen. Mal ehrlich ClubFXler, ihr wollt einen möglichst hohen Umsatz über Masse statt Klasse und zugleich ordentliche-leicht-betrunkene-nicht-kotzende-und-randalierende Gäste? Beides zusammen – Trichterlogo hin, Alkohol in der Birne her – gibt es aber nicht für 99 Cent. War aber eigentlich auch schon vorher klar.

Dank geht an Benni für den Hinweis auf die Story
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Die Crux mit den Wohnheimen

Wohnheim Chemnitz
Fast wie im Reiseprospekt (nur ohne Balkone): Das Studentenwohnheim könnte auch ein Hotel an der Costa Brava sein

Wenn ich von meinem WG-Balkon geradeaus, nach links oder nach rechts schaue, dann blicke ich auf die achtgeschossigen Studenten-Wohnheime gegenüber. Gestern saß ich wieder so in meinem Liegestuhl und blickte vor mich hin auf die sanierten Plattenbauten, da fiel mir auf, was für ein seltsamer Begriff „Wohnheim“ eigentlich ist.

Welche anderen Heime kennt man noch so im Sprachgebrauch? Da wären zum Beispiel:

  • Kinderheim
  • Altenheim
  • Pflegeheim
  • Asylbewerberheim
  • Tierheim
  • Stammheim  😉

Alles sind Orte, wo man nicht so unbedingt gerne wohnen möchte: Im Kinderheim wohnen Kinder, deren Eltern verschwunden sind. Im Alten- und Pflegeheim wohnen Eltern, deren Kinder sie nicht pflegen können oder wollen. Im Asylbewerberheim wohnen Leute, die keine Aufenthaltserlaubnis haben. Im Tierheim leben Tiere ohne Zuhause. In Stuttgart-Stammheim saßen die RAF-Terroristen ein, auch sie taten das sicher nicht gerne. Allen Heimen ist gemein, dass man selbst nicht mehr die Möglichkeit hat, einfach wieder auszuziehen.

Rein der Bezeichnung nach ist ein Studentenwohnheim also ein Ort an welchem entwurzelte Studenten wohnen, die keine andere Bleibe gefunden haben. Ein Ort an welchem sie nicht gerne sind, sondern eher weil irgendjemand es bestimmt hat. Und sie dürfen nicht raus! Das wird in dieser Form sicher auf die wenigsten Studenten im Wohnheim gegenüber zutreffen (genaue Werte bietet diese Studie zur Wohnzufriedenheit).

Bleibt also die Frage, ob es nicht einen passenderen Begriff für die Wohnheime gibt. Vielleicht „Studentenwohnanlage“ oder „Studentenresidenz“? Wobei diesen Termini (hey, endlich einen linguistischen Fachbegriff eingebaut!) häufig ja auch eine Spur Euphemismus innewohnt. Eine Residenz mit Toilette auf dem Gang wäre eben nur dem Namen nach eine Residenz. Ein Dilemma für welches keine Lösung in Sicht ist. Und so bleibt erstmal alles beim Alten: Die Fenster des Wohnheims glänzen in der Sonne, gegenüber auf dem Balkon ein junger Blogger im Liegestuhl, der angestrengt grübelt. Alles wie immer.