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Ausflug zum Wasserschloss Klaffenbach

Wasserschloss Klaffenbach (bei Chemnitz)

Nach einem mittellangen und nicht übermäßig spannenden Tag in der Bibliothek wollten wir unbedingt noch einen kleinen Ausflug machen und sind daher mit der Tram 522 von der Zentralhaltestelle nach Klaffenbach gefahren. Nominell ist Klaffenbach noch ein Stadtteil von Chemnitz, in Wirklichkeit aber schon ziemlich weit draußen auf dem Land. Hier steht das Wasserschloss Klaffenbach, ein schmuckes Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert (Besserwisser-Info: Im Stil der Renaissance erbaut!). Wasserschloss heißt es übrigens nicht wegen seiner Nähe zur Würschnitz, sondern wegen des gefluteten Burggrabens drumherum. Auf dem nächsten Bild sehr gut zu sehen:

Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz

Vom Stil her ist das Wasserschloss der Augustusburg ziemlich ähnlich, letztere liegt aber auf einem Berg und ist doch noch ein Stück größer. Auf dem Klaffenbacher Burghof gibt es allerlei Geschäfte für Kunsthandwerk. Bis vor kurzem war hier auch noch das Sächsische Fahrzeugmuseum, welches jedoch inzwischen nicht nur in die Innenstadt umgezogen ist, sondern auch konsequenterweise auf eine Internetseite verzichtet (ohnehin überbewertet dieser neumodische Kram!). Wenn man die letzte Straßenbahn verpasst, kann man im schlosseigenen Hotel übernachten.

Schlosshotel Klaffenbach Chemnitz

Im Sommer wird im Wasserschloss viel geheiratet, die Paare geben sich im Akkord das Ja-Wort und danach geht es gleich zum Tafeln in eines der Restaurants. Als wir da waren, wurde nicht geheiratet, auch sonst war praktisch überhaupt nichts los. Diverse Aushänge kündeten allerdings von kommenden Attraktionen: Klaffenbacher Tafelrunde, Ritteressen, Hexentreff, dann Fischbüffet und der Ostertanz – da muss man ganz schön aufpassen, dass man nicht durcheinander kommt und dann versehentlich in Ritterverkleidung zum Hexentreff geht…könnte böse enden! Stars und Sternchen geben sich im Wasserschloss übrigens die Klinke in die Hand. Auf einem Poster feierten Matthias Reim, Dieter Thomas Kuhn, die Puhdys und eine Abba-Playbackgrupp im totgeglaubtem WordArt-Design ein fröhliches Comeback!

Das Minibar-Angebot im Schlosshotel Klaffenbach

Gleich nebenan bewies ein Aushang des Schlosshotels, dass sich Vollverpflegung und günstige Preise nicht ausschließen müssen. Zwei Minibar-Komplettangebote warten auf die hungrigen und durstigen Gäste. Es stellt sich hier allerdings die Frage, wer seine Minibar tatsächlich komplett austrinkt (nur dann lohnt sich ja der Schnäppchenpreis von 6 bzw. 10 Euro). Mir wäre jedenfalls ziemlich schlecht, wenn ich erst zwei Bier genieße, dann eine kleine Flasche Rotwein hinterherkippe, dann noch Sekt obendrauf und abschließend einen Apfelsaft und eine Flasche Mineralwasser  – nicht zu vergessen die Schokolade und die Erdnüsse! Statt der Minibar kann man aber auch einfach ein „Haustier“  mitbringen (ich empfehle Wildschwein am Spieß). Kostet gleich viel, ist aber ungemein nahrhafter!

Trimmpfad in Klaffenbach Chemnitz

Hinter dem Wasserschloss gibt es einen Golfplatz mit 18 Löchern (wir haben nachgezählt!) und einen Trimm-Pfad. Dieser entpuppte sich bei näherem Hinsehen jedoch als Mogelpackung: Es führten zwar diverse Wege in das kleine Waldstück hinter dem Schlosspark, die für einen derartigen Trainingsparcours üblichen Übungsstationen und Anleitungen fehlten aber. Eine eifrige Joggerin störte sich nicht daran, ihr begegneten wir auf verschiedenen Pfaden und Forstwegen innerhalb von 15 Minuten insgesamt drei Mal! Die Gefahr sich in Chemnitz Klaffenbach zu verlaufen besteht also nicht, und falls doch spielen vielleicht gerade „Matze“ Reim, die Puhdys oder Abba – in diesem Fall einfach dem Gesang nach, Augen zu und durch!

Stiller Protest zum Schluss

Protest gegen das Aus der Vogtlandbahn (Chemnitz)

Heute abend gegen Viertel vor Neun hat die letzte Stunde des Vogtlandexpress geschlagen: Der Zug aus Berlin erreicht dann Chemnitz. Auch ich habe – wie viele andere – die Gelegenheit genutzt und bin am Wochenende noch einmal nach Berlin und zurück gefahren. Die Züge waren voll wie schon lange nicht mehr, was aber nicht zuletzt eine Auswirkung der Berichterstattung in den lokalen Medien gewesen sein dürfte. Mit dem oben abgebildeten Plakat demonstrierten Zugbegleiter und Lokführer noch am Freitag gegen die Einstellung der Verbindung. „[…]nicht die soziale Verantwortung für die einzige bestehende Direktverbindung aus dem südwestsächsischen Raum nach Berlin und Ihrer Menschen bzw. die Einsicht in Notwendigkeiten des Erhalts des VogtlandExpresses haben gesiegt, sondern die Raffgier“, heißt es in etwas umständlichem Deutsch. Umso deutlicher wird man im nächsten Absatz: Die Verantwortlichen des Bahnkonzerns ARRIVA hätten „der Vogtlandbahn das Herz herausgerissen“. Die Zugbegleiter werden ab morgen wohl in Bayern unterwegs sein, hier unterhält die Firma noch einige Strecken die hauptsächlich für Berufspendler interessant sind. Dies gilt vermutlich auch für die vom Freistaat Sachsen geförderten Fahrzeuge (in jedem Vogtlandexpress war in der Mitte eine große goldene Plakette angeschraubt, die auf die Subventionierung hinwies). Was wohl die Bayern denken, wenn sie mit diesen Zügen dann durch die Voralpen tuckern?

Vogtlandexpress wird eingestellt

Es fährt kein Zug nach Nirgendwo - Die Vogtlandbahn (nicht im Bild) wird eingestellt
Es fährt kein Zug nach Nirgendwo – Die Vogtlandbahn (nicht im Bild) wird eingestellt

Nachdem es in den vergangenen Tagen schon Gerüchte gegeben hatte, kam nun die endgültige Meldung in den sächsischen Medien: Der Vogtlandexpress, die einzige direkte Zugverbindung zwischen Chemnitz und Berlin wird eingestellt. Grund sind angeblich „gestiegene Kosten“, in Wirklichkeit hat sich die Strecke bei der momentanen Auslastung (häufig war der Zug unter der Woche halb leer) vermutlich einfach nicht gelohnt. Am 16. Februar fährt sie das letzte Mal, danach gibt es Verbindungen in die Hauptstadt nur noch mit Umsteigen und ohne den angenehmen Service der Vogtlandbahn (Getränke zu vernünftigen Preisen am Platz, kostenlose Bonbons, ab und zu gratis Zeitungen). Ein bisschen wehmütig bin ich schon jetzt, denn der VX war nicht zuletzt eine wichtige Verbindung in die Außenwelt. Mit dem Wegfall wird auch Chemnitz wieder ein Stück mehr Provinz.

Radiobeitrag: Burg Hoheneck in Stollberg

Neben diesem Blog bin ich ja seit einiger Zeit auch in der Beitragsredaktion vom studentischen Radio UNiCC (spricht sich wie: Radio Unique) aktiv und recherchiere Themen, fange O-Töne ein und schneide daraus dann drei- bis vierminütige Beiträge die im Großraum Chemnitz auf 102,7 UKW durch den Äther fliegen. Allerdings jeweils nur ein einziges Mal – denn Radiohörer mögen keine Wiederholungen, zumindest was die Beiträge angeht. Und weil es eigentlich viel zu schade ist, die entstandenen Reportagen, Kommentare und Interviews einfach auf dem finsteren Ende einer externen Festplatte einzumotten, werde ich hier in loser Folge einige präsentieren.

Gleich zu Beginn geht es um ein ehemaliges DDR-Frauengefängnis welches damals weithin gefürchtet war: Burg Hoheneck in Stollberg.  Das Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Im Mittelalter (13. Jhd) erbaut, geht die Burg durch viele Hände, ehe sie 1860 nach dem dreißigjährigen Krieg vollständig abgerissen wird. Der Freistaat Sachsen baute daraufhin ein Frauengefängnis an gleicher Stelle. Im Dritten Reich waren hier vor allem junge Männer untergebracht, die sich kritisch über das NS-Regime geäußert hatten. Nach dem Ende des Krieges fiel das Gefängnis in die Hände der sowjetischen Besatzer – Burg Hoheneck wurde wieder Frauengefängnis.

Bekannt ist die Burg durch die Geschichte einer sechzehnjährigen Schülerin geworden, die mit ihrem Lippenstift ein paar Schleifchen an den Bart eines Lenin-Portraits gemalt hatte. Die drakonische Strafe: Mehrfach lebenslänglich. Auch Folter war auf Burg Hoheneck keine Seltenheit, die speziell ausgestatteten Kammern kann man noch heute besichtigen. Neben Zellen für Isolations- und Dunkelhaft gab es auch eine so genannte „Wasserzelle“. Was es damit auf sich hat und warum das Gefängnis heute nur noch Filmkulisse ist, das erfahrt ihr im Beitrag:

Der Flashplayer von WordPress funktioniert momentan wohl nur im Internet Explorer. Aber hier gibt es auch einen direkten Link zu der Datei: Ausflugstipp Burg Hoheneck in Stollberg

Wanderung durchs Zschopautal

Im Umland von Chemnitz kann man ja ganz vorzüglich wandern: Die kleinen Orte liegen vergleichsweise dicht beieinander und die Landschaft im Vorland des Erzgebirges ist abwechslungsreich und überaus schön. Und so gibt selbst der Verkehrsverbund Mittelsachsen eine eigene Wanderbroschüre mit Routenvorschlägen heraus. Wir haben uns spontan für die Tour von Mittweida nach Kriebstein entschieden. Los geht es auf dem Marktplatz des verschlafenen Städtchens (20 Minuten mit der Regionalbahn von Chemnitz entfernt) . Obwohl Samstag ist, haben die meisten Geschäfte um die Mittagszeit schon zu. Die Beschreibung des VMS-Faltblattes ging vom Busbahnhof aus und auch die Google-Navigation auf dem Handy (eine eher träge Angelegenheit) half uns nur bedingt bei der Suche nach dem Startpunkt des Wanderweges.

So, da haben wir ihn also doch noch gefunden. Etwa 10 Kilometer führt der rot-weiß markierte Wanderweg durch das idyllische Zschopautal. Die ersten sechzehnhundert Meter sind auf diesem Bild also schon geschafft. Der Wanderratgeber empfiehlt an dieser Stelle übrigens schon eine Pause im Gasthof, auf die wir dann aber verzichtet haben. Merke: Belohnung gibt es immer erst nach der Wanderung. Außerdem hatten wir selbstgemachten Kartoffelsalat mit Würstchen dabei.

Der Weg folgt die meiste Zeit dem Flußverlauf, was immer wieder Gelegenheit für phantastische Ausblicke auf das Tal mit der Zschopau bietet. Anstrengend ist hingegen das ständige auf und ab: Kaum hat man einen Aussichtspunkt verlassen geht es wieder hinunter ans Flußufer wo schon die nächste Steigung wartet. Mit dem Singen von Wanderliedern („Im Frühtau zu Berge“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“) motivieren wir uns für die letzte Wegstrecke.

Der Zielpunkt unserer Wanderung: Burg Kriebstein im gleichnamigen Ort. Laut Eigenwerbung die „schönste Ritterburg Sachsens“ – vermutlich weil sie so gut erhalten ist. Im Burghof wurde gerade – für derlei Burgen am Wochenende so üblich – mit großem Getöse geheiratet. Im Inneren der Burg gibt es auch noch ein Museum mit allerlei altem Krempel…äh..mit wertvollen originalgetreuen und sehr interessanten Ausstellungsstücken wollte ich sagen. Aber bei dem schönen Wetter sind wir lieber ins einzige Eiscafé von Kriebstein gegangen. Zurück empfiehlt sich der Bus der Linie 642, der etwa alle zwei Stunden direkt zurück nach Chemnitz fährt. Der Bus verkehrt auch nur am Wochenende und braucht etwa anderthalb Stunden bis zum Omnibusbahnhof der Erzgebirgsmetropole (unterwegs wird in zahlreichen Dörfern Halt gemacht). Fazit: 1. Wanderung an der Zschopau sehr schön, 2. Schokoshake im Kriebsteiner Eiskaffee besser als Bananenshake, 3. Abends fährt man im Bus 642 ziemlich alleine.

Ausflug zur Burg Scharfenstein

„Schroffenstein, Schraffenstein, Scharfenstein?“, einige hatten Probleme sich den richtigen Namen der Burg zu merken. Würden ja auch alle ganz gut passen, denn wie es sich für eine solche mittelalterliche Wehranlage gehört befindet sich die Burg Scharfenstein auf einem Felsen. Der Aufstieg dauerte dann aber doch nur etwa zehn Minuten, und dass vor allem weil meine Schwester zwischendurch nochmal ihre Schuhe gewechselt hat. Oben gibt es ein paar kleine Museen zur Burggeschichte und zum erzgebirgischen Helden Karl Stülpner. Dieser galt im Volksmund als verwegener Wilderer und zugleich Beschützer der Armen – eine Art sächsischer Robin Hood also. Bekannt wurde er vor allem durch Groschenromane, die im 19. Jahrhundert von seinen Abenteuern berichteten. In der Ausstellung kann man einige dieser Frühwerke der Trivialliteratur bewundern, sich Auszüge daraus über Kopfhörer anhören oder Manfred Krug in der Fernsehrolle als Stülpner betrachten.

Hoch ragt im Burghof der Bergfried (habe gerade gelernt dass es nicht Burgfried heißt) über Scharfenstein hinaus. Für einen Euro darf man das Drehkreuz passieren und über bestimmt hundert Stufen nach oben klettern. Die Aussicht entschädigt – bei schönem Wetter – für die Anstrengung:

Wieder unten sind wir dann die Straße die hier von rechts nach links diagonal durch das Bild läuft (könnt ihr ja suchen wenn ihr den Artikel fertig gelesen habt) zu Ende gelaufen und haben an einem kleinen Rastplatz gepicknickt. Nudelsalat nach hausgemachter Art und dazu Würstchen. Lecker! Frisch gestärkt sind wir dann spontan nach Zschopau gewandert. Der Ort ist etwa 4,5 Kilometer entfernt und man kommt über ausgeschilderte Wanderwege (weiß-gelb-weiße und weiß-rot-weiße Streifen) und Forststraßen ganz gut hin. Es beschleunigt solche Touren natürlich im Allgemeinen wenn am Ende des Weges ein Eis als Belohnung winkt!

Auch in Zschopau, welches einige der Mitreisenden konsequent mit dem sachsen-anhaltinischen Schkopau (bekannt für Plaste und Elaste) verwechselten, gab es eine schöne Burg mit Garten und Burg…äh…Bergfried. Die Sonnenuhr geht sogar fast ganz richtig, es war kurz vor Vier:

In dem Eiscafé am Marktplatz (Stichwort: Belohnung!) waren so gut wie keine Gäste, was vermutlich daran lag dass der Eingang völlig versteckt hinter zwei Türen mit kryptischen Anweisungen lag, die wohl die Aufgabe hatten den Restaurant- vom Cafébereich zu trennen. So wurden aber vor allem Besucher vom Eiskonsum getrennt. Die Tüten waren ziemlich lecker, haben wir aber nicht fotografiert – also ich zumindest nicht, vielleicht hat meine Schwester aber doch welche gemacht. Sie wird in ihrem Blog (missxyz.de) sicher auch noch über unseren Auflug schreiben, evtl. ist da ja mehr von Joghurt-Kirsch und Erdbeereis zu sehen…

Nach Zschopau und Scharfenstein kommt man übrigens ziemlich schnell (30 Minuten) und relativ günstig (Gruppenkarte bis fünf Personen für 18 Euro) mit der Erzgebirgsbahn. Frühes Einsteigen im Chemnitzer Hauptbahnhof sichert einem die Panoramaplätze in der Mitte des Zuges, von welchen man die abwechslungsreiche Landschaft besonders gut genießen kann. Ein Ausflug der sich lohnt, trotz Pfingstsonntag war wenig los auf den Wanderwegen…einer anderen Gruppe sind wir dafür gleich dreimal begegnet, die dachten vermutlich schon wir verfolgen sie!

Nachtrag: Meine Schwester hat jetzt den ersten Teil ihres Reiseberichts veröffentlicht, es geht wie versprochen auch um die Festung Scharfenstein.