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Tuchfühlung will’s wissen

Leserbefragung von Tuchfühlung
So oder so ähnlich soll nach Informationen des Chemnitzblogs die Leserbefragung aussehen

Für ihre letzten beiden Ausgaben musste die Redaktion der Tuchfühlung viel Kritik von ihren Lesern einstecken (siehe Kommentare hier und hier). Nun scheint die Redaktion zu der Einsicht gelangt zu sein, dass es auf diesem Weg mit dem Chemnitzer Campusmagazin nicht weitergeht. Eine Befragung soll das Heft wieder näher an die Leser bringen und herausfinden, was die Studenten über das 1,30-Blatt denken. Wie das Chemnitzblog exklusiv von einem Mitglied der Redaktion erfuhr, wurde ein entsprechender Fragebogen bereits gestaltet und soll bei Erscheinen der neuen Ausgabe noch diese Woche an alle Käufer verteilt werden. Inhalt sind zunächst eher allgemeine Fragen zur Bekanntheit der Tuchfühlung (siehe oben). Dann will das Hochglanzmagazin es genau wissen: Umfang (Seitenzahl), Informationsgehalt, Themenrelevanz, Aktualität und Übersichtlichkeit sollen eingeschätzt werden. Von „Sehr gut“ bis „Sehr schlecht“ reicht die Palette der Auswahlmöglichkeiten. Besonders interessant erscheint in Hinblick auf die letzten beiden Ausgaben wohl die Frage nach der „kritischen/unabhängigen Annäherung an Themen“ (die keineswegs gewährleistet schien). Auch die Größe der Schrift  und die eigenwillige Bildauswahl steht nun offenkundig zur Disposition. Hat die Tuchfühlung ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis? Auch diese Frage soll durch die Leserbefragung geklärt werden. Die Möglichkeit eines komplett kostenlosen Magazins steht allerdings nicht zur Wahl. Weitere Felder bleiben für persönliche, handschriftliche Empfehlungen an die Redaktion frei – bleibt zu hoffen, dass viele Studenten die Gelegenheit wahrnehmen, um ihre Meinung kundzutun. Und natürlich auch, dass die Heftmacher aus den Ergebnissen lernen!

Blick in die Beliebigkeit: Tuchfühlung Nr. 08 ist da

Tuchfühlung Campusmagazin Ausgabe 08

Die neue Tuchfühlung ist da und ich habe sie mir zwecks Analyse natürlich unverzüglich zugelegt. Wird das Chemnitzer Campusmagazin an den zahlreichen Kritikpunkten ihrer Leser gearbeitet haben? Erwartet uns eine von Grund auf reformierte Tuchfühlung? – Dass dem nicht so ist, verrät eigentlich schon das Titelbild: Auf einem neun mal sechs Felder großen Raster präsentieren sich Chemnitzer Studenten, die sich – so suggerieren zumindest die nackten Schultern – für das Heftcover entblößt haben. Hintergrund und Fotos wirken fast wie aus einer Krankenakte. Die Idee ist nicht neu, es drängen sich Parallelen zum Titelbild des STERN aus dem Jahr 1971 auf. „Wir haben abgetrieben“, lautete die Überschrift damals und der (organisierte) Skandal war perfekt:

Tuchfühlung zitiert den STERN 1971
Zum Vergleich: Links die aktuelle Tuchfühlung – rechts das bekannte STERN-Titelbild aus dem Jahre 1971.

Doch zwischen beiden Titel-Collagen besteht ein himmelweiter Unterschied: Die Gesichter des STERN bekamen durch die Provokation des öffentlichen Gesetzesbruches ihre Aussage – bei der Tuchfühlung sind zwar 54 Bilder da, aber die Aussage fehlt. Ich habe das Editorial gelesen und dann den Rest des Heftes und nirgendwo eine Erklärung gefunden. Das ist schwach und verleiht dem Titelbild den Anschein einer voyeuristischen Effekthascherei, die zum Kauf verleiten soll, jeglichen hintergründigen Inhalt aber schuldig bleibt.

Zu diesem Problem kommt ein weiteres: Ob es um das ewige Thema Auslandsstudium, Fernbeziehungen, den Abriss in Chemnitz oder die Vorstellung der Modell-UN-Gruppe geht – es fehlt dem Heft an einer neuen Herangehensweise an altbekannte Themen, an einer frischen, studentischen Perspektive. Ein Satz im Artikel über das Internationale Universitätszentrum könnte dieses Manko nicht deutlicher machen: „Es [das IUZ] informiert Dich auf seiner Homepage über die Teilnahme an Austauschprogrammen[…]“ Genau, auf seiner Homepage. Es besteht keine Veranlassung den Artikel tatsächlich weiter zu lesen, weil sich praktisch alle Informationen – mit Ausnahme einiger ausschließlich lobender Zitate von Austauschstudenten – auch auf der TU-Webseite finden. Die Tuchfühlung will sich von den unieigenen PR-Heften („TU Spektrum“) abgrenzen, liefert aber teilweise die gleichen Informationen und Geschichten in anderer Hülle. Die Vorstellung des Studienganges Europastudien ist ein einziges PR-Loblied. Zitat: „Die TU Chemnitz ist eine der wenigen deutschen Hochschulen, welche den Bachelorstudiengang Europastudien anbieten. So verwundert es nicht, dass junge Menschen aus allen Gegenden Deutschlands nach Chemnitz kommen und man sie wenige Jahre später, als Experten für Europa, überall auf dem Kontinent antreffen kann.“ – Mal abgesehen von der schwammigen Aussage dieses Schlusssatzes, wenn da nicht gut lesbar die Kürzel von mehreren Redakteuren stehen würden, hätte ich glatt Pressesprecher Mario Steinebach hinter dem Artikel vermutet. Und dessen Aufgabe ist es ja auch, die Studiengänge konsequent in ein möglichst gutes Licht zu rücken. Nicht zuletzt leidet der genannte Text, wie überhaupt die gesamte Artikelreihe, aber auch an der nicht vorhandenen Zielgruppe: Wer Europastudien studiert, findet den Studiengang doch schon gut und wer es nicht tut, der liest bestimmt nicht die Tuchfühlung um herauszufinden, was er auch kostenlos in der Studienberatung erzählt bekommt. Weitere Beispiele für diese Art der Berichterstattung sind der schon erwähnte Artikel über die Modell-UN-Delegation und der Artikel über Gebäudeabrisse auf Seite 24. Distanz wird simuliert, dann aber unkritisch das Vokabular der Städteplaner verwendet: ‚Rückbau‘ ist aber auch ein schönes Wort für den Abriss von Chemnitzer Stadtteilen in der näheren Zukunft.

Tuchfühlung: Chemnitz in der Welt
Das Titelthema der Tuchfühlung: Klingt wahlweise nach provinzieller Selbstbeweihräucherung oder nach PR-kompatibler Langeweile

Die Tuchfühlung und ihre Umfragen lautete mein letzter Artikel zum Thema, in welchem ich die zweifelhaften Befragungen des Magazins kritisiert hatte. Nicht-zielführende Fragestellungen, unsinnige Antwortkonstellationen und ein Umfrageskript, welches das Verknüpfen von Feldern nicht erlaubt, stellten die Brauchbarkeit der Ergebnisse von Anfang an in Frage. Der jetzt erschienene Artikel zeigt vor allem, mit wie viel Mühe die Redakteure diese Unzulänglichkeiten hinter allerhand schöner Sprache verstecken. Da werden erst uralte und vermutlich gar nicht vorhandene Klischees künstlich aufgebauscht („Studenten können nicht kochen, bloß auftauen; sie achten nie aufs Verfallsdatum und werden in Notsituationen auch mal zu Langfingern“) und dann – oh Wunder – widerlegt. „Was landet am häufigsten in deinem Einkaufswagen?“, fragte die Tuchfühlung und ließ nur die Möglichkeit der Einfachantwort. Was kauft der typische Student denn nun: Alkohol, Zigaretten oder Süßigkeiten? Natürlich nicht, denn selbst ein Alkoholiker legt sich zu seinem Kornbrand noch eine Packung Nudeln aufs Band. So antworten denn auch 43 Prozent der Teilnehmer, dass sie eben am Häufigsten Grundnahrungsmittel kaufen. Das ist wenig überraschend und verdeckt zugleich, dass hier eine differenzierte Mehrfachantwort  sinnvoller gewesen wäre. Andere Fragen werden einfach gleich ganz ausgeklammert: So bleiben die Autoren schuldig, welche Artikel die Studenten im Uni-Edeka angeblich am häufigsten klauen (Siehe Frage 10: Was hast du schon mal im Uni-Edeka geklaut?).

Auch sonst hat die Tuchfühlung wenig Glück mit der Empirie: Im Artikel „Beziehungsprobe Ferne“ heißt es in Bezug auf eine ungenannte Studie, dass jede achte Beziehung in Deutschland eine Fernbeziehung sei. Soweit so gut. Doch dann rechnet das Magazin diesen Wert auf die Studentenzahl der TU Chemnitz um (angeblich gebe es 646 Fernbeziehungs-Studenten!) – was statistisch schlicht unhaltbar, ja grob falsch ist. Von der allgemeinen Bezugsgruppe der Studie kann nicht automatisch auf das völlig unterschiedliche Milieu der Studierenden geschlossen werden! Die tatsächliche Zahl der Fernbeziehungen liegt also eventuell deutlich höher oder niedriger – etwa weil Studenten generell flexibler sind, oder weil jüngere Menschen eher zu einer lockeren Beziehungsstruktur neigen, oder weil in Städten ab 200.000 Einwohnern die Zahl der Fernbeziehungspaare stark ansteigt…usw.

Tuchfühlung mit Audio-CD von LEGO-Sputnik
Tuchfühlung mit Gratis-Gimmick: Auf beigelegter CD spielt die Studentenband L.E.G.O. Sputnik

Die genannten Fehler und Problemfelder sollen aber nicht verdecken, dass es auch eine Reihe gelungener Artikel in der Tuchfühlung Nr. 08 gibt. Gut hat mir dieses Mal die Kolumne von Burkhard Müller gefallen, die einen kritischen Blick auf die ständig wachsende Blechlawine in Chemnitz wirft. Der Autor präsentiert die Parkhäuser als prägende Architektur der Innenstadt und bestätigt damit eine Beobachtung, die ich auch schon gemacht habe: In der „Stadt der Moderne“ werden fast ausschließlich Parkhäuser und Tiefgaragen gebaut! Interessant fand ich auch den Artikel von Martina Boch über den Wandel im Flirtverhalten der Chinesen. Schenkt man ihrem Erfahrungsbericht Glauben, dann vollzieht sich hier ein radikaler Wandel, dessen Folgen noch kaum absehbar sind. Ihre verknüpfte Kritik am chinesischen Regierungssystem fällt jedoch – vermutlich auf Grund der Länge des Artikels (eine Seite) – etwas knapp aus.

Ein positives Signal gibt auch die – anscheinend neu eingeführte – Leserbriefseite, die Feedback und Kritik am Heft bündeln soll und mit zwei Erwiderungen gegen die Galgen-Kolumne der letzten Ausgabe aufwartet. Dieses Mal widmet sich die genannte Kolumne der Ausbildung von Rektor Matthes als „Professor der Schweißtechnik“ und nimmt – haha superlustig – dies zum Anlass für allerhand leicht pubertäre Wortspiele mit dem Wort Schweiß (Schweißgeschichte hihi, Schweißwirtschaft hoho). Das mag mögen wer will, ich persönlich denke aber die Tuchfühlung tut sich mit derart flachen Banalitäten keinen Gefallen – insbesondere wenn sich die Zeitung sonst ja offenkundig (vgl. den kritischen Artikel über niveauloses Radio auf Seite 36) durchaus einem gewissen Anspruch verpflichtet fühlt.

Die Tuchfühlung und ihre Umfragen

Ausgaben des Campusmagazins Tuchfühlung (Chemnitz)

In meiner Rezension der letzten Ausgabe des Chemnitzer Campusmagazins Tuchfühlung hatte ich ja bereits auf Mängel in der damaligen Umfrage zum Thema Karriere hingewiesen. Nun hat die Tuchfühlung eine neue Umfrage gestartet, die sie eifrig über die Verteilerlisten der Uni bewirbt. Es geht um das Kaufverhalten von Studenten, doch genau darüber werden die Redakteure wenig herausfinden, zumindest wenn sie die Umfrage in dieser Form tatsächlich verwenden.

Das erste Problem stellt erneut das verwendete Umfrageskript dar: Dieses wertet alle Fragefelder getrennt aus und erstellt daraus Balkendiagramme. Verknüpfungen alá „Wer Maschinenbau studiert gibt weniger Geld für Lebensmittel aus“ oder „Wer auf Biosiegel achtet kauft dennoch preisbewusst“ sind damit schon technisch überhaupt nicht möglich. Das Onlineskript prüft noch nicht einmal ob alle Felder der Umfrage ausgefüllt sind, geschweige denn ob die Antworten auch nur halbwegs plausibel sind. Dies ist ein technisches und relativ einfach zu lösendes Problem.

Das zweite und weitaus größere Problem offenbart sich, wenn man die einzelnen Fragen der Erhebung genauer unter die Lupe nimmt: „Was landet am häufigsten in deinem Einkaufswagen?“, fragt die Tuchfühlung und stellt Grundnahrungsmittel (Brot, Reis, Nudeln) / Wurst und Käse aus der Theke / Obst und Gemüse / Alkohol / Zigaretten und einigen andere Produkten des täglichen Bedarfs zur Wahl. Jetzt heißt es als befragter Student genau überlegen, denn nur eine einzige (!) Antwort ist bei dieser Frage möglich. Es mag ja sein dass es Studenten gibt, die sich nur von Zigaretten oder nur von Alkohol ernähren oder die solche Fans von Wurst und Käse sind, dass sie diese immer pur essen. Der überwiegende Teil wird aber zwangsläufig entweder besagte Grundnahrungsmittel oder den Punkt Fertiggerichte ankreuzen (z.B. Leute, die keinen eigenen Herd haben). Die Fragestellung ist in dieser Form also überhaupt nicht zielführend, sondern schlicht ziemlich sinnlos. Selbst ein Hardcore-Alki legt sich zu seinem Kornbrand noch zwei Dosen Ravioli auf das Kassenband und setzt dann frohen Mutes und vor allem wahrheitsgemäß sein Kreuz bei den Fertiggerichten.

Aus irgendeinem Grund scheint unser Studentenmagazin zudem davon auszugehen, dass die Studenten der TU Chemnitz gerne stehlen. Nur so lässt sich die leitende Frage „Was hast du schonmal im Uni-Edeka geklaut?“ interpretieren. Alkohol, Zigaretten (wie das bei den Gittern an der Kasse gehen soll, ist mir schleierhaft), aber auch Nudeln oder Wurst stehen zur Wahl. Tiefkühlkost lässt sich anscheinend nicht stehlen, wer theoretisch gerne Glühbirnen oder Zeitschriften mitgehen lässt, kann auch nichts ankreuzen.  Zudem scheint das Langfingertum sich nur auf den Campus-Edeka zu erstrecken, wer bei Penny, Netto, Aldi, Lidl oder wo auch immer seine Taschen füllt, kann ebenfalls keine wahrheitsgemäße Antwort geben. Viel merkwürdiger ist jedoch, dass anders als bei der vorherigen Frage hier Mehrfachantworten möglich sind.

Beide Beispiele belegen wie unsauber die vorliegende Umfrage erstellt wurde. Viele mögliche Antwortkonstellationen werden überhaupt nicht abgedeckt. Zudem scheint die Befragung unter großem Zeitdruck entstanden zu sein, nur so lassen sich die teilweise ziemlich hingehuschten Antwortmöglichkeiten erklären:

Frage: Was ist Einkaufen für dich?
1.
Überlebenskampf, muss leider sein
2. Erlebnis und Spaß pur
3. Ich lass lieber andere für mich einkaufen

Hm tja, ein paar gemäßigte Aussagen wären jetzt schön. Vielleicht ist es eine Mischung aus Spaß und Pflicht, vielleicht ist es aber auch von Tag zu Tag verschieden, vielleicht auch abhängig davon, ob ich vorher Fragebögen der Tuchfühlung ausgefüllt habe…ihr versteht was ich meine.

Die Umfrage zum Einkaufs-/Klauverhalten der Studenten ist nichts Halbes und nichts Ganzes: Sinnvolle Fragen nach Studiengang, Geschlecht, Einkommen werden mit unausgegorenen Fragen wie den hier vorgestellten kombiniert. Das verwendete Umfrageskript lässt keine Kombination der Ergebnisse zu. „Die meisten Studenten geben zwischen 50 und 150 Euro für Lebensmittel aus“, steht eventuell später im Artikel. Aber: Über die Gründe hierfür kann das Heft dann trotz aufwendiger Umfrage nur spekulieren. Vielleicht sparen die genannten Studenten, oder sie kaufen wenig Bioprodukte oder sie klauen einfach alles aus dem Edeka. Vielleicht sind die Studenten, die 50 bis 150 Euro für Lebensmittel ausgeben aber auch einfach komplett andere, als die welche im Bottler-Markt Wein und Wurst mitgehen lassen. Genau bei dieser spannenden Frage muss die Tuchfühlung mangels ausgereifter Umfragetechnik passen. Das ist schade, denn so bleiben die wahren Hintergründe des studentischen Einkaufsverhaltens weiter im Dunkeln.

Ergänzung (19. März): Die Tuchfühlung hat die Umfrage jetzt klammheimlich von ihrer Seite entfernt. Nach Erscheinen des Heftes  kann so natürlich leider niemand mehr feststellen, welche Fragen gestellt wurden und wie die Ergebnisse zustande gekommen sind. Gut, dass ich mir vorher ein PDF davon gespeichert habe. Hier also  die Umfrage der Tuchfühlung zum nochmal nachlesen.

Verspielte Chance – Rezension des Campusmagazins

Campus-Magazin tuchfühlung mit Vitaminen

Campus-Magazin tuchfühlung (Ausgabe 7) mit Vitaminen

Seit letzten Mittwoch gibt es die siebte Ausgabe des Chemnitzer Campusmagazins tuchfühlung käuflich zu erwerben. Nun soll es sich hier im Chemnitzblog der harten Probe unterziehen: Wie gut sind die Texte des Magazins, welches sich selbst auch schon mal eher unkritisch als „Deutschlands bestes Campus-Magazin“ feiert? Auf das Titelbild hat es diesmal ein junger Mann mit Hornbrille geschafft, der wohl einen Nachwuchswissenschaftler darstellen soll. Im Hintergrund eine blaue Fliesenwand, wir befinden uns wohl in einem Labor. In der Hand des Forschers eine Packung Vitamin B, die tadadadaaa auf das Thema dieser tuchfühlung hindeutet: Es ist das Vitamin B in der Arbeitswelt gemeint, es geht um Beziehungen und das Thema „Karriere“. Das steht dann auch ziemlich klein in einem grauen Kasten weiter unten auf dem Bild.

Nun ist die tuchfühlung ja nicht gerade für originelle Titelthemen bekannt: In der jüngeren Vergangenheit ging es Mal um „Urbanes Leben in Chemnitz“ (Ausgabe 3), um „Musik in Chemnitz“ (Ausgabe 4), dann um „Sport im Sommer“ (Ausgabe 5) oder auch einfach mal ganz allgemein um „Missstände an der Uni“ (letzte Ausgabe). Themen also die sich so auch häufiger im Chemnitzer Stadtstreicher,  oder wie im aktuellen Titel „Karriere“ auch zur Genüge in Gratis-Heften wie Unispiegel, Unicum oder Unicompact finden lassen. Von der Tuchfühlung erwarte ich als Leser eine andere Perspektive auf das Thema, einen frischeren Ansatz als bei einem Gratis-Magazin. Fassen wir den Inhalt zum Thema Karriere also kurz zusammen: Da hätten wir 2x eine Einleitung zum Thema (1x von Chefredakteurin Vivienne Kiss und 1x von Maximilian Schuler – warum doppelt?), ein Interview mit einem Soziologie-Professor plus zwei Interviews mit angeblich erfolgreichen Absolventen (alle drei ohne Foto des Interviewten!!), einen mauen Artikel über eine Verbindung von Glück und Karriere, der mit dem tollen Ergebnis aufwartet dass ein „goldener Mittelweg“ wohl das Beste sei und als Kernstück eine Umfrage unter Studenten mit dem Titel „Karrieregeile Nachwuchsyuppies?“.

Hübsche Illustration - doch im Text offenbaren sich Mängel

Hübsche Illustration - doch im Text offenbaren sich Mängel

Nun habe ich – mehr durch Zufall – auch an eben dieser Umfrage teilgenommen. Von Tippfehlern und falsch beschrifteten Feldern (so liess sich bei der Frage ob man sein Wunschfach studiere nur „nein“ ankreuzen) mal abgesehen, hat die Erhebung aus meiner Sicht schwere empirische Mängel: So waren die einzelnen Fragen im Umfrageskript nicht verknüpft – im Text werden vom Autor trotzdem Verbindungen zwischen unterschiedlichen Antworten gezogen. Eine Erfassung von Studiengang, Fachrichtung, Semesterzahl fand nicht statt, doch nur so würden die Ergebnisse Sinn machen. Ohnehin sind die erreichten Werte reichlich fragwürdig: Angeblich studiert fast die Hälfte der befragten Chemnitzer Studenten (45 Prozent) nur weil „sie sonst nicht wisse, was sie tun soll“. Mehr als die Hälfte studiere nicht ihr Lieblingsfach (57 Prozent). Trotzdem sei die Hälfte der Studenten mit ihrem Studium „superglücklich“, weitere 18 Prozent immerhin „glücklich“. Das hier etwas nicht stimmen kann, sieht ein Blinder mit dem Krückstock. Nachvollziehen lässt sich das Ergebnis leider auch nicht, weil die Daten der Umfrage im Verborgenen bleiben und nur einige Werte vom Autor zitiert werden. Klar, hier geht es nur um eine kleine Umfrage – aber dennoch sollten in einem Magazin, welches an einer technischen Universität erscheint, zumindest die Grundlagen der Empirie beachtet werden.

Auf der gegenüberliegenden Seite präsentiert die Tuchfühlung unter dem Titel „Die Anti-Karriere“ allen Ernstes Zahlen der Shell-Studie und einer „ZEIT-Onlineumfrage“ aus dem Jahr 2006 (!!) auf einer ganzen Seite. Das Fazit wird dann auch gleich noch von deren Webseite übernommen – klar was soll bei mindestens drei Jahre alten Daten auch noch Neues bei rauskommen.

Im Politikteil macht die tuchfühlung wieder einige verlorene Punkte wett: Das Thema „Privatisierung des Sprachenzentrums“ wird von Autor Benjamin Lummer kritisch und überaus lesenswert aufgearbeitet. Die schlechte Kommunikation zwischen Sprachenzentrum und Rektorat weckt Erstaunen! Den Artikel über die neue Polizeiverordnung hätte man sich ähnlich gewünscht, leider liest er sich eher trocken und der Autor neigt gegen Ende zu zahlreichen offenen Fragen, die man lieber selbst gerne beantwortet wüsste.

Generell entsteht beim Lesen des Magazins ein wenig der Eindruck, dass viel vom Redakteursschreibtisch aus recherchiert wurde – längere Reportagen sucht man vergeblich. Eine erfreuliche Ausnahme bildet der Erlebnisbericht von Coretta Storz, die sich (vermutlich auch aus eigenem Interesse für die Sache) unter die Demonstranten einer Kundgebung vor dem Theater gemischt hat. Sehr lebendig liest sich das und zeigt zudem, dass eine Recherche vor Ort immer erste Wahl sein sollte, wenn es um stadtspezifische Themen geht. Die Verbrüderung mit den Forderungen der Demonstranten am Schluß (Motto: Wenn alle Studenten jetzt eine Karte kaufen, dann bleibt das Theater toll) hätte man jedoch weglassen können, der Artikel ist auch so schon sehr gut.

Es gibt zu wenig gut sichtbare Zwischenüberschriften

Viel Textwüste: Es gibt zu wenig gut lesbare Zwischenüberschriften

Das Layout der tuchfühlung ist nach wie vor sehr schick. Nichts desto trotz würde man sich bei längeren Artikeln  mehr und besser lesbare Zwischenüberschriften wünschen, auch eine größere Schrift im Fließtext könnte zum Lesevergnügen beitragen. Bei vielen Artikeln findet man so nur schwer einen Einstieg, die Verlockung weiterzublättern ist groß.

Insgesamt verspricht die Ausgabe 07 des Campus-Magazins mehr als sie halten kann: Gerade in der Kerndisziplin eines jeden Studentenmagazins, den Texten, kann das Chemnitzer Blatt nicht punkten. Reportagen, aufwendige Recherchen – bis auf wenige lobenswerte Ausnahmen leider Fehlanzeige. Klar wird das Blatt von Studenten gemacht,  die Autoren sind keine Profis. Doch gerade deshalb könnten doch die Themen etwas frecher und die Artikel etwas mutiger sein! Aktuell orientiert sich das Blatt sehr an einem angeblich vorhandenen Massengeschmack und wirkt fast ein wenig bieder. Die Lösung zu diesem Problem findet sich im aktuellen Heft auf Seite 8. Dort heißt es: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.

Ergänzung (23. April): Auf der Tuchfühlungsseite noch nicht offiziell verlinkt, ist Ausgabe 07 im Hintergrund aber schon hochgeladen und kann hier kostenlos gelesen werden.

Lustiger Fehler bei Media Markt

Heute ist wieder einer dieser trüben Regentage in Chemnitz. Der Himmel ist genauso grau wie der Plattenbau gegenüber. Was macht man an solchen Tagen? Richtig, man blättert sich durch all die Werbematerialien die sich in der letzten Woche angesammelt haben. Im Media Markt-Prospekt bin ich dann auf ein ganz heißes Angebot gestoßen: Computer mit Quadcore, Geforce-Grafik, vier Gigabyte Arbeitsspeicher und sage und schreibe 750 Megabyte (!!) Festplatte. Gigantisch! Ich bin ja auch der Überzeugung dass die meisten modernen Rechner viel zu stark motorisiert sind – aber ob Media Markt es da nicht etwas zu gut gemeint hat? 750 MB reichen ja nur für etwa 180 MP3s oder 300 Fotos, soviel verschiesst mancher ja an einem feuchtfröhlichen Partyabend! Fazit: Ich kaufe mir erstmal keinen neuen Rechner. Lieber noch ein bisschen warten, im nächsten Jahr gibts bestimmt schon einen mit doppelt so großer Festplatte. Ich bin doch nicht blöd!

Das geheimnisvolle Paket

In meinem Packstation-Artikel hatte ich es noch spannend gemacht – jetzt aber wird das Geheimnis um den Inhalt des geheimnisvollen Paketes endlich gelüftet. Los geht es mit einem weiteren schwarzen Karton, in welchem sich ein ebenfalls schwarzer Stoffbeutel verbirgt. Mysteriös…

Hm, mach ich es jetzt noch mal spannend…? Ach ne, ich löse es lieber jetzt gleich auf. In dem geheimnisvollen Paket befindet sich ein…

Popcube! Hä, ein was? Beim Popcube handelt es sich um ein aufgemotztes Küchenradio, welches mit seinen metallenen Reglern und der Echtholzverschalung über seine simple technische Herkunft hinwegtäuschen will. Oben kann man einen Ipod draufstecken – aber auch praktisch jeden anderen MP3-Player, denn die Verbindung erfolgt über die Kopfhörerbuchse (statt einen Ipod-Dock-Anschluß). Auf dem grün beleuchtbaren Display werden zwar Datum, Uhrzeit und Temperatur angezeigt, aber leider nicht die eingestellten Sender. Und die lassen sich mit dem großen, eher schwammigen Einstellrad auch nicht sonderlich präzise wählen. Betrieben wird der Popcube mit vier AA-Batterien, ein Netzteil liegt nicht bei. Jetzt fragt ihr euch natürlich warum ich mir so ein Teil auf die Bude hole. Ganz einfach, ich habe mir die ZEIT im Studentenabo geholt (hatte ich schon länger vor) und da gab es das Küchenradio-mit-Pseudoluxus gratis dazu. Immerhin besser als der Regenschirm oder die schmucklose Armbanduhr dachte ich mir.

Im Küchenregal sieht der Bergmann popcube dann auch wirklich ganz gut aus und um morgens Nachrichten zu hören eignet er sich natürlich auch ganz gut. Auf der schick gestylten Homepage wird kräftig Werbung für das Küchenradio aus Asien gemacht, was wohl über die eher simple Technik im Inneren hinwegtäuschen soll: http://www.popcube.de/

Nachtrag: In den Kommentaren hatte ich ja schon von dem Stromhunger des Popcube berichtet. Um diesen zu Stillen habe ich letzte Woche vier aufladbare AA-Batterien besorgt. Aber diese passen 1. nur mit viel Mühe in das enge Batteriefach des Popcube und 2. haben sie nur sage und schreibe vier Tage durchgehalten – und ich habe nicht mal sonderlich viel Radio gehört in der Zeit.