Monatsarchiv: Februar 2009

Mit Kneipenkarte durch Chemnitz

Kneipenkarte für Chemnitz

Eigentlich bin ich ja kein Fan davon, hier Gratis-PR für irgendwelche Kneipen und Cafés  zu machen, wie andere Chemnitz-Blogs es ja gerne und ausführlich tun. Aber in diesem Fall war es eine ganz vorzügliche Idee, die mich überzeugt hat: Nils Gemeinhardt, Hobby-Fotograf und Student des kompliziert klingenden Fachs Computational Science, hat eine Karte der Chemnitzer Innenstadt mit allen Kneipen, Bars und Cafés entworfen und ins Internet gestellt. Ich wusste zwar, dass Chemnitz mit einer hohen Kneipendichte wirbt (angeblich soll es 666 Gaststätten geben – vermutlich wurde jede Döner-Asia-Bude und jeder trübe Landgasthof im Umland mitgezählt), aber nicht dass es doch so viele verschiedene Etablissements in der Innenstadt gibt. Eigentlich erstaunlich dass sich das Phänomen des Pub-Crawlings noch nicht bis nach Chemnitz durchgeschlagen hat, immerhin muss man nicht weit laufen um vom Franziskaner Viertel in den City Pub und von dort weiter ins Café Moskau zu gelangen – mit steigendem Alkoholpegel versteht sich. Was der Karte definitiv noch fehlt, sind aktuelle Bierpreise. Im Moment befinden sich Möchtegern-Schickimicki-Läden wie das DON in der Liste ja direkt neben günstigen Trinkhallen wie dem Turmbrauhaus – das kann ganz schön auf den Geldbeutel gehen. Eines weiß ich in jedem Fall schon jetzt: Wenn ich das nächste Mal nach Feierabend gemütlich ein Bier trinken gehe, dann probiere ich sicher mal einen neuen Pub aus.  Falls ihr das auch tun wollt, die Kneipenkarte von Nils findet ihr hier zum Downloaden und Ausdrucken.

Advertisements

Produkte, die’s bei uns nicht gibt: Imitierte Wildschweinpastete

Imitierte Wildschweinpastete in Chemnitz

Das letzte Mal hatte ich in dieser Kategorie die Kekstorte Kalter Hund vorgestellt, ein krümeliger Spaß für die ganze Familie. Diesmal geht es um ein pikanteres Produkt, welches ich bei meinem letzten Streifzug durch das benachbarte Edeka entdeckt habe: Imitierte Wildschweinpastete. Zuerst herrschte bei mir eine linguistische Verwirrung vor: Eine imitierte Pastete vom echten Wildschwein oder eine echte Pastete mit imitiertem Wildschwein? Nun bin ich ja kein großer Pasteten-Experte, aber was einen da aus der Packung anlacht, sieht doch ungefähr so aus wie man sich eine Fleischpastete vorstellt. Also doch Variante 2 mit der nachgeahmten Wildsau. Nun ist ja die Frage ob der durchschnittliche Edeka-Käufer überhaupt merken würde, dass es sich um einen Imitat-Eber handelt. Könntet ihr mir auf Anhieb sagen wie Wildschweinfleisch aussieht? Eben. Das Produkt richtet sich also demnach an Feinschmecker, die den Unterschied zwischen Wild- und Hausschweinfleisch nicht nur sehen, sondern vor allem auch ohne weiters schmecken würden. Andererseits können oder wollen sie sich keine echte Wildschweinpastete gönnen – greifen also zum optisch und geschmacklich hoffentlich ähnlichen Imitat. Ich persönlich habe mich an dieses (sicherlich köstliche) Produkt aus dem Hause PIKANT noch nicht rangetraut, ich esse auch lieber echtes Fleisch als imitiertes. Bleibt nur noch die Frage zu klären: Was ist drin wo Wildschwein draufsteht? Ich werde weiter berichten…

Nachtrag: Das Wildschweinimitat besteht aus Schweinefleisch (82 Prozent) und Speck, dazu kommen Wasser, Salz Gewürze und andere Zusatzstoffe.

Nachtrag 2: Ich habe auf der Seite des Fachmagazins der Fleischwirtschaft noch eine schöne Definition gefunden:

Imitierte Wildschweinpastete
aus gewürfeltem, mit Nitritpökelsalz gesalzenem und in Schweineblut vorgegartem Schweinefleisch hergestellte Pastete mit oder ohne Teighülle.

Klingt doch richtig lecker, oder?

Marmelade kochen für Dummies

Marmelade kochen für Dummies: Die Zutaten
Neun Kiwis für ein Halleluja: Die Zutaten für selbstgemachte Marmelade

Nachdem meine ersten Haushalt-für-Dummies-Artikel zum Thema Waschen per Hand und Kühlschrank reinigen ohne Handschuhe so ein großer Erfolg waren, habe ich mich heute wieder an etwas Neues gewagt: Marmelade kochen! Als echtes Stadtkind dachte ich früher natürlich immer, dass alle Leute ihre Marmelade im Geschäft kaufen… Nein quatsch, natürlich gab es schon damals zu Schulzeiten die Kinder, deren Eltern einen Garten hatten und die ihre Pausenbrote mit selbstgemachter Marmelade bestreichen konnten.

Im ersten Bild seht ihr gleich schonmal die Zutaten für unsere hausgekochte Konfitüre (auch ein schönes Wort). Mangels frischer Erdbeeren habe ich mich für die saisontypische Winterkiwi entschieden und sie mit etwas Apfel kombiniert. Dahinter seht ihr den Gelierzucker (von Dr. Oetker, für alle denen das Logo zu unscharf ist). Scheinbar ist Marmelade kochen gar kein so exotisches Hobby wie ich immer dachte, im Edeka um die Ecke gab es jedenfalls mindestens sechs verschiedene Sorten Gelierhelfer zur Auswahl. Ein besonders Trendiger von Südzucker sollte sogar ohne Kochen funktionieren – aber dann müsste es ja nicht Marmelade kochen, sondern Fruchtmatsch-herstellen-und-haltbar-machen heißen – und das wollte ich nicht.

Ich habe mich also für den 2:1-Zucker entschieden, es gibt aber auch andere bekannte Fußballergebnisse als Gelierzucker (1:1 unentschieden etwa oder ein haushoher 3:1 Sieg). Ein Kilogramm Früchte kommen beim zwei-zu-eins dann auf 500 Gramm Packungsinhalt. In der Tüte sind neben dem Haushaltszucker auch das Geliermittel Pektine, etwas Zitronensäure und der Konservierungsstoff Sorbinsäure mit etwas pflanzlichem Fett aneinandergebunden. Der Zucker hat eine grobkörnige Konsistenz und schmeckt etwas weniger süß (habs extra probiert).

Marmelade kochen für Dummies: Obst schälen

Schritt 1: Das Obst schälen. Hierbei können natürlich gerne die Mitbewohner helfen, sofern verfügbar. Am besten wochenlang vorher einen Aushang am Kühlschrank festpinnen, damit keiner den Tag vergisst an dem es gilt ein Kilogramm Obst zu schälen und kleinzuschneiden. Mit den Kiwis und Äpfeln geht das ja ganz gut – aber versucht mal aus den Erdbeeren die ganzen Kerne rauszukriegen! 😉

Marmelade kochen für Dummies: Das Kochen

Schritt 2: Nachdem die Früchte ganz fein geschnitten, oder teilweise mit dem Mixer püriert wurden, geben wir sie in einen Topf. Jetzt den Gelierzucker schwungvoll und in einem Schub draufschütten. Umrühren und aufkochen. Nach kurzer Zeit (wenn ihr noch mit Holz feuert: Nach längerer Zeit) beginnt die Marmeladenmasse zu blubbern. Sieht jetzt fast aus wie grüne Lava und spritzt einem wenn man nicht aufpasst den ganzen Herd voll (Putzplan der WG beachten!). Deckel draufsetzen ist schwierig, denn nach Anleitung auf der Dr. Oetker-Packung soll man die Marmelade-in-spe ja „unter ständigem Rühren“ aufkochen. Ich habe mich dann doch für den Deckel entschieden und nur gelegentlich umgerührt – angebrannt ist mir die Marmeladenlava jedenfalls nicht…

Marmelade kochen für Dummies: Das Abfüllen

Schritt 3: Das Abfüllen in vorher ausgespülte Gläser (im Bild: Einmal Pesto grün, einmal Oliven schwarz, einmal Erdbeerkonfitüre, einmal Gourmet Fruchtaufstrich Erdbeer-Banane) ist eine gute Gelegenheit um noch ein wenig zu kleckern und von der frischen Marmelade zu naschen. Die Gläser dann mit Drehdeckel verschließen und auf den Kopf stellen. „Warum das“, habe ich mich gefragt, „wird der Marmelade davon nicht schlecht?“. (Ohje, die Witze hier werden auch nicht besser, Anm. d. Verf.) Nein, umgekehrt: Durch das Umdrehen entsteht ein Vakuum im Glas wird die Haltbarkeit der Marmelade erhöht , vermutlich weil durch den aufsteigenden heißen Wasserdampf  Keime abgetötet werden (auch die Sorbinsäure hilft dabei, wir erinnern uns).

Schritt 4: Ein Brot mit der ersten selbstgemachten Marmelade schmieren (lecker!) und sich wundern warum man nicht viel früher auf die Idee gekommen ist, sich seine Lieblingssorten einfach selbst zu kochen.

Nachtrag: Hier wird behauptet, das Umdrehen der Marmeladengläser erzeuge weder ein Vakuum (wie ich zunächst fälschlicherweise vermutet hatte), noch helfe es bei der Verlängerung der Haltbarkeit – allerdings würden sich dadurch die Früchte besser in der Marmelade verteilen.

Stiller Protest zum Schluss

Protest gegen das Aus der Vogtlandbahn (Chemnitz)

Heute abend gegen Viertel vor Neun hat die letzte Stunde des Vogtlandexpress geschlagen: Der Zug aus Berlin erreicht dann Chemnitz. Auch ich habe – wie viele andere – die Gelegenheit genutzt und bin am Wochenende noch einmal nach Berlin und zurück gefahren. Die Züge waren voll wie schon lange nicht mehr, was aber nicht zuletzt eine Auswirkung der Berichterstattung in den lokalen Medien gewesen sein dürfte. Mit dem oben abgebildeten Plakat demonstrierten Zugbegleiter und Lokführer noch am Freitag gegen die Einstellung der Verbindung. „[…]nicht die soziale Verantwortung für die einzige bestehende Direktverbindung aus dem südwestsächsischen Raum nach Berlin und Ihrer Menschen bzw. die Einsicht in Notwendigkeiten des Erhalts des VogtlandExpresses haben gesiegt, sondern die Raffgier“, heißt es in etwas umständlichem Deutsch. Umso deutlicher wird man im nächsten Absatz: Die Verantwortlichen des Bahnkonzerns ARRIVA hätten „der Vogtlandbahn das Herz herausgerissen“. Die Zugbegleiter werden ab morgen wohl in Bayern unterwegs sein, hier unterhält die Firma noch einige Strecken die hauptsächlich für Berufspendler interessant sind. Dies gilt vermutlich auch für die vom Freistaat Sachsen geförderten Fahrzeuge (in jedem Vogtlandexpress war in der Mitte eine große goldene Plakette angeschraubt, die auf die Subventionierung hinwies). Was wohl die Bayern denken, wenn sie mit diesen Zügen dann durch die Voralpen tuckern?

Werde Campus-Depp der TU Chemnitz!

studivz-sucht-campus-deppen-tu-chemnitz

Habt ihr auch alle dieses heiße Job-Angebot gelesen? Das Studivz und die TU Chemnitz suchen einen Campus-Deppen, der die Universität in einer Schülervz-Gruppe vertritt! Natürlich nennen sie es nicht Campus-Depp sondern „Campus-Spezialist“, was auch gleich viel besser klingt. Die Studierenden zwischen 18 und 21 Jahren, so schreibt Pressesprecher Mario Steinebach, sollen ihre „Erfahrungen zum Studium und Leben an ihrer Uni und in ihrer Stadt an potenzielle Erstsemester“ weitergeben. Die Campus-Spezialisten sollen sich aber nicht nur austauschen, sondern auch „Entscheidungshilfen geben“, zum Studentenleben „informieren und beraten“ und bei schwierigen Fragen den richtigen Ansprechpartner an der Uni vermitteln. Klingt für mich nach einer ziemlich verantwortungsvollen Aufgabe. Die doch wohl hoffentlich auch angemessen entlohnt wird. Oder?

Am Fuß der Seite findet sich hierzu dieser schöne Satz: „Das Engagement wird nicht vergütet, jedoch erhalten alle Campus-Spezialisten Referenzen der beteiligten Unternehmen. Besonders engagierte Studierende haben die Chance, ein Praktikum bei Scholz & Friends, Aperto oder studiVZ zu absolvieren.“

Ist ja unglaublich: Man kriegt nicht nur ein Arbeitszeugnis, sondern hat die Ehre, aber nur wenn man sich richtig reinhängt, sogar noch ein Praktikum bei einer der drei ähm deutschen Vorzeige-Firmen zu machen – und ja, lasst mich raten, das ist dann sicher auch unbezahlt.

Noch beschämender als die Tatsache dass das VZ und eine Vorzeige-Werbeagentur wie Scholz & Friends die Campus-Spezialisten für ihre Tätigkeit nicht mal im Rahmen eines Studentenjobs bezahlen möchten finde ich nur, wie gutgläubig die TU-Pressestelle hierbei mitspielt und das Stellenangebot auf der Startseite der Universität anpreist. Frei nach dem Motto: Ein Dummer findet sich immer, der die Arbeit auch für umsonst macht und sich dabei noch einbildet Standortförderung zu betreiben. Interessierte Deppen können sich übrigens im Büro des Rektors melden, die Schlange wird hoffentlich nicht allzu lang sein.

Edit (09. April 2009): Ich habe eine Debatte über eine Entlohnung der „Campus-Spezialisten“ auf der Seite von Studieren in Fernost losgetreten. Wen der weitere Verlauf interessiert, kann ihn hier nachverfolgen.

Vogtlandexpress wird eingestellt

Es fährt kein Zug nach Nirgendwo - Die Vogtlandbahn (nicht im Bild) wird eingestellt
Es fährt kein Zug nach Nirgendwo – Die Vogtlandbahn (nicht im Bild) wird eingestellt

Nachdem es in den vergangenen Tagen schon Gerüchte gegeben hatte, kam nun die endgültige Meldung in den sächsischen Medien: Der Vogtlandexpress, die einzige direkte Zugverbindung zwischen Chemnitz und Berlin wird eingestellt. Grund sind angeblich „gestiegene Kosten“, in Wirklichkeit hat sich die Strecke bei der momentanen Auslastung (häufig war der Zug unter der Woche halb leer) vermutlich einfach nicht gelohnt. Am 16. Februar fährt sie das letzte Mal, danach gibt es Verbindungen in die Hauptstadt nur noch mit Umsteigen und ohne den angenehmen Service der Vogtlandbahn (Getränke zu vernünftigen Preisen am Platz, kostenlose Bonbons, ab und zu gratis Zeitungen). Ein bisschen wehmütig bin ich schon jetzt, denn der VX war nicht zuletzt eine wichtige Verbindung in die Außenwelt. Mit dem Wegfall wird auch Chemnitz wieder ein Stück mehr Provinz.